Muttertag oder der Tag der großen Erwartungen

Übermorgen ist es wieder soweit, bereits zum dritten Mal darf ich ihn feiern: den Muttertag. Diese Tatsache macht mich unglaublich glücklich. Denn ein Tag zu Ehren der eigenen Person ist etwas ganz Tolles. Schließlich leisten wir Mütter eine ganze Menge und haben uns das wirklich mehr als verdient. Wenn da nicht diese Erwartungen wären…

Von zu großen Erwartungen

 
Jedes Jahr scheinen die Erwartungen am Muttertag auf’s Neue in Dimensionen zu steigen, für die es im normalen (Mama-)Alltag gar keinen Platz gäbe. Auf einmal sind da Wünsche, die hoffentlich erfüllt werden.

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Nimm dir Zeit zum Auskurieren

Es klingt verrückt, aber diesen Satz musste ich mir in den vergangenen Tagen wirklich mehrfach sagen. Denn Zeit zum auskurieren hab ich als Mutter ja nun mal gar nicht, oder? Es kommt darauf an. Darauf, ob ich in zwei Wochen wieder krank sein will. Darauf, ob ich es jetzt wirklich für so notwendig halte die Wohnung aufzuräumen. Darauf, ob ich mich jetzt nicht einfach mal noch zwei Tage mehr schone, um dann wirklich wieder mit der nötigen Kraft weiterzumachen.

Von der Grippewelle überrollt ging es mir und uns in den vergangenen Tagen wirklich so schlecht wie schon lange nicht mehr. Das war nicht mal ein kleiner Schnupfen, den man lästigerweise mit sich rumschleppt, sondern wirklich ein totaler Knockout. Im letzten Artikel hatte ich bereits erwähnt, dass es nicht die erste Krankheit, aber dafür die heftigste in diesem Winter war. Trotzdem gilt das, was ich jetzt hier schreibe wirklich für alle Krankheiten, denn den Fehler hab ich schon vorher begangen, mich nicht an’s auskurieren zu halten.

Auskurieren

Schon dich lange genug und länger

So banal und eigentlich logisch es klingt, es scheint einfach nicht selbstverständlich zu sein. Denn oft ist es so, dass ich mich wirklich erst schone, sobald echt gar nichts mehr geht. Dabei ist das bereits ein deutliches Alarmsignal des Körpers; er resigniert und weiß sich einfach nicht mehr anders zu helfen als mich zur Ruhe zu zwingen.

Die ganzen Erkältungen, die ich in den vergangenen Monaten so mit mir rumgeschleppt habe, habe ich, im Nachhinein betrachtet, mehr verschleppt als wirklich auskuriert. Natürlich nicht nur aus purer Unvernunft, sondern auch der Tatsache geschuldet, dass ich mich um Haushalt und Kind zu kümmern habe. Aber das ist nur die eine Seite, und dass das getan werden muss, steht außer Frage. Die andere Seite ist allerdings, dass ich gerne etwas für mich tun wollte. Und wer den Haushalt schmeißen kann, der kann auch Laufen gehen. Aber genau da liegt der Fehler. Denn kritisch betrachtet heißt das doch: „Wer sich sowieso schon anstrengen muss, der kann sich auch gleich doppelt anstrengen.“

Ja, ich wollte vermeintlich etwas für mich, meine Gesundheit und mein Wohlbefinden tun, aber im Nachhinein weiß ich, dass ich jedes Mal, wenn ich laufen gegangen bin, obwohl ich noch nicht hundertprozentig wieder fit war, ich genau das Gegenteil erreicht habe. Ich mochte das Gefühl nicht, untätig zu sein, meine Leistung zu verlieren, um dann in ein paar Wochen wieder komplett bei Null anfangen zu müssen. Ich wollte mich nicht fett und schwabbelig fühlen, weil ich befürchtete wochenlang keinen Sport machen zu können. Stattdessen habe ich gegoogelt, nach Ratschlägen zum Thema. Und öfter als einmal gelesen, dass Sport bei Erkältung nicht zwingend schadet, sogar im Gegenteil ganz gut tun kann. Bullshit!

Practice what you preach

Ich selbst habe vor einiger Zeit mal gesagt, dass wir uns Pausen gönnen sollten, wenn es uns nicht gut geht. Warum aber fällt es einem immer so schwer sich auch wirklich selbst dran zu halten? Denn ich wollte mir nicht genug Pausen gönnen, weil ich der Meinung war, dass das schon genug gewesen sein mussten.

Nur weil ich den Haushalt schmeißen muss und der Nachwuchs nach Beschäftigung verlangt, heißt es doch nicht, dass ich in meiner Freizeit direkt wieder in die Laufschuhe steigen muss. Wer aufräumt kann auch Sport machen. Ganz großer Unsinn. Stattdessen ist es doch gerade dann wichtig, sich in anderen Lebensbereichen noch mehr Pausen zu gönnen.

Und wenn ich eins nach diesem Winter sagen kann, gut getan hat es mir nicht, auf diese Pausen verzichtet zu haben. Denn jedes Training hat mich gesundheitlich doch wieder ein Stück zurück geworfen. Auch wenn es sich im ersten Moment anders, ja sogar ganz gut angefühlt hat. Aber der erste Impuls ist nicht immer der richtige. Im Nachhinein hätte ich lieber öfter mal den Ball flach gehalten, mir mehr Zeit genommen zu regenerieren und einfach mal verzichtet. Ja, davon wird man nicht schlanker, muskulöser oder fitter, vom Training, das einen gesundheitlich wieder nach hinten wirft, aber auch nicht. Und nur, um das klar zustellen, ich rede hier von vielleicht drei Malen, die ich zwischen zwei Erkältungen laufen war. Selbst diese drei Male, waren drei zuviel.

Auskurieren 2
Ganz viele Kuscheleinheiten

Auskurieren heißt das Zauberwort

Es ist übrigens egal, ob es Sport, Freunde treffen oder die Arbeit ist, das dich und deinen Körper nach oder während einer Krankheit anstrengt. Bevor es dir nicht wieder wirklich gut geht, lass es sein. Ich hab für mich inzwischen entschieden, dass ich bis zum Frühling und den ersten angenehmen Plusgraden erst mal keine Laufschuhe mehr anziehen werde und es auch sonst sportlich langsam angehen lassen werde. Es fühlt sich zwar nicht besonders toll an und die Bikini-Figur 2018 ist auch nicht sonderlich erfreut darüber, aber viel wichtiger ist doch, wie es mir körperlich dabei geht.

Auskurieren ist das Stichwort. Ein Wort, das viel zu oft einfach dahin gesagt wird, aber selten wirklich beherzigt wird. Eine Lektion, die ich nach diesem Winter auf jeden Fall gelernt habe. Auskurieren bedeutet ja nicht nichts machen, sondern viel mehr das Richtige machen. So hatte ich wenigstens mal wieder Zeit ein gutes Buch zu lesen. Das hat sehr zu meiner Erholung beigetragen. Statt schweißtreibenden Sports, reicht es ja schon eine sanfte Yogaeinheit einzubauen oder warm eingepackt einen Spaziergang durch Wiesen und Felder zu machen. Es muss nicht alles leistungsgetrieben sein. Achtsam auf das hören, was der Körper und der Geist gerade brauchen, das ist doch die wahre Kunst und bis es wärmer wird, ist das eben einen Gang runter zuschalten. Im Frühjahr werde ich hoffentlich wieder genug Gelegenheit haben, um Vollgas zu geben, bis dahin nehme ich mir die Zeit gesund zu werden. Nehmt ihr sie euch auch?

Warum mich die Mutterrolle manchmal nerven darf

Weil sie phasenweise unglaublich anstrengend sein kann, ganz einfach. Das hab ich in den vergangenen Tagen öfter gemerkt, wenn es darum geht Job, Privatleben, Haushalt und das liebevolle Mama Sein wie selbstverständlich unter einen Hut zu bekommen. Normalerweise funktioniert das ganz gut, aber irgendwann kommt der Punkt, da geht es einfach nicht mehr. Diesen Punkt hab ich inzwischen glücklicherweise wieder überwunden. Aber er wird immer wieder kommen. Auch wenn mir diese „Es ist alles nur eine Phase“-Phrase mittlerweile zu den Ohren raus kommt, sie trifft einfach immer wieder zu. Egal, ob beim Kind, bei der Mutterrolle oder in anderen Lebensbereichen.
Mutterrolle
 

Grenzen und Funktionieren

 

Ja, dieses Mutter Sein bringt mich öfter als mir lieb ist, öfter als ich es bisher gewohnt war, an meine Grenzen. Diese Grenzen sind in diesem Moment einfach nur ätzend. Denn es gibt Tage, an denen habe ich das Gefühl einfach nur noch zu funktionieren, die Mutterrolle vereinnahmt mich. Das beginnt schon mit dem Aufstehen, insbesondere dann, wenn mein Kind schon vor mir wach ist. Dann habe ich präsent zu sein und meine Befindlichkeiten müssen teilweise erst mal zurückstecken.

Genauso wenn ich krank bin, dann kann ich mir nicht frei nehmen und die Mutterrolle Mutterrolle sein lassen. Mich schön wie früher mit Wärmflasche und Tee ins Bett kuscheln und die Krankheit aussitzen ausliegen. Nein, ich werde trotzdem gefordert. Das war halt auch mal anders.

Ob ich mich darüber beschweren will? Auf gar keinen Fall, schließlich habe ich mir diese Rolle ausgesucht. Ob ich es trotzdem nervig finde? Auf jeden Fall! Und das ist auch mein gutes Recht.

 
Mutterrolle 1
Ich kann schon ganz viel allein… 

Ich, überfordert?

Die Mutter, die sich noch nie überfordert gefühlt hat, möge den ersten Stein werfen… oder so ähnlich. Jede Mutter ist irgendwann mal überfordert, aber nicht jede Mutter gibt es zu. Ich befinde mich glücklicherweise in einem Umfeld, in dem auch mal darüber geredet wird, wenn alles Mist ist. Das tut nicht nur der betroffenen Mutter gut, es mal rauszulassen, sondern auch der Mutter, die zuhört und sich an eine Situation erinnert, wo es bei ihr ähnlich war.

Wir Mütter haben nun mal auch nicht nur die eine Aufgabe eine gute Mutter zu sein. Wir sind nun mal auch die, die zuhause alles im Blick haben. Die wissen, dass der letzte saubere Body spätestens heute Abend in der Wäsche landen wird und bis dahin Nachschub benötigt wird. Wir wissen, dass sich Windeln, Klopapier oder der Wasservorrat dem Ende zuneigen. Wir wissen, dass morgen früh mindestens DER eine Becher oder Löffel oder was-auch-immer-gerade-beim-Kind-sehr-beliebt-ist gespült sein muss. Ja, wir sind auch die, die das meistens umsetzen und auch so tolle Freizeitbeschäftigungen haben wie Sonntagabend noch den Essensplan und die Einkaufsliste für die nächste Woche zusammenzustellen.

Oder hat schon mal jemand einen Mann gesehen, der sich am Sonntagabend hinsetzt, um Essensplan und Einkaufsliste zu schreiben? Also ich nicht. Sorry, dass ich das jetzt so sage, aber ihr Männer wisst auch, dass ihr dafür andere Aufgaben erfüllt, bei denen wir Frauen wahrscheinlich versagen würden.

Muss das denn sein?

Gut, jetzt mag jemand sagen, da zwingt dich ja keiner zu oder du wirst auch ohne Essensplan und Einkaufsliste nicht verhungern. Ja, mag sein. Aber ich habe eben auch ein Kind zu versorgen, dem ich einen möglichst ausgewogenen Speiseplan gestalten will. Außerdem will ich nicht nach jedem Supermarkt-Besuch Zuhause bemerken müssen, dass ich was vergessen hab.

Ja, natürlich könnte ich Aufgaben abgeben. Aber bei manchen ist es einfach nicht sinnvoll. Und ganz ehrlich, am Ende des Tages schaffen wir es doch alles, eben weil wir funktionieren.

Aber ist es wirklich nur in reines Funktionieren? Ist es nicht viel mehr ein Wachsen. So phasen- und schubweise wie unsere Kinder wachsen, so wachsen auch wir Mütter schubweise an unserer Rolle. Auch, wenn ich manchmal zugegebenermaßen ganz gerne etwas langsamer wachsen würde oder gar nicht.

Mutterrolle 2
… aber ganz oft brauche ich dich auch noch!

In die Mutterrolle wachsen

 

Von meinem Kind erwarte ich ja auch nicht, dass es von heute auf morgen alles kann. Ich lasse es wachsen und genau das sollte ich auch mir zugestehen. In meinem Job kann ich 100 Prozent geben, weil ich weiß was von mir erwartet wird, da gibt es Briefings und Abgabefristen. In meiner Mutterrolle setze ich die Maßstäbe selbst. Allerdings auch gerne mal zu hoch und dann geht es wirklich nur noch darum zu funktionieren.

Aber ist es das, was ich von der Mutterrolle erwarte? Dass ich sie (neben allen anderen Rollen) perfekt ausfülle? Ich will keinen Oskar für die beste Mutterrolle gewinnen. Denn ich spiele diese Rolle nicht, ich lebe sie. Alles, was ich empfinde, von unendlicher Freude bis zur größten Erschöpfung, sind echt. Und eben auch die Tatsache, dass diese Rolle manchmal einfach nur nervt.