Immunsystem gesucht – dauerkrank im ersten Kindergartenjahr

Am liebsten würde ich diesen Artikel mit einer ordentlichen Schimpftirade beginnen, denn die wäre den Umständen entsprechend angemessen. Allein die letzte Nacht bietet schon Anlass genug. Anderthalb Stunden hab ich mich gestern in den Schlaf gehustet. Und auch während der Nacht hat mich dieser fiese Husten noch mehrmals heimgesucht. Meine Lunge schmerzt jetzt noch und überhaupt tut mir jede Faser meines Körpers weh. Ich bin es echt Leid,  dauerkrank zu sein.

Dauerkrank im ersten Kindergartenjahr

Tu nicht so als hätte man dich nicht vorgewarnt

Okay, dass das erste Kindergartenjahr es in sich hat, wusste ich. Schließlich hab ich diesen Hinweis mehr als einmal bekommen. „Warte erst mal ab, bis der Kleine in den Kindergarten geht. Dagegen ist das jetzt noch gar nichts.“ Tolle Verheißungen und das schon Monate vorher. Trotzdem flackerte in mir ein Fünkchen Resthoffnung, dass das Kind das erste Kindergartenjahr unbeschadeter als prophezeit übersteht. Und damit lag ich gar nicht mal so falsch, denn dauerkrank im ersten Kindergartenjahr bin eigentlich nur ich.

Ich kann will schon gar nicht mehr zählen wie viele Infekte mich in den vergangenen Monaten heimgesucht haben. Davor, dass es einen selbst mindestens genauso dicke erwischt, hat einen natürlich niemand gewarnt. Dabei wäre das doch tatsächlich mal eine nützliche Info gewesen. Es heißt ja, dass zehn bis zwölf Infekte im Jahr bei Vorschulkindern normal sind. Dass ich aber gefühlt jetzt ebenfalls wieder in diese Kategorie falle, war mir neu.

Dauerkrank Kindergarten
Das Tablet – eine treue Unterstützung für kranke Mütter

Ich dauerkrank – ist das normal?

Das große Mysterium ist doch: Warum erwischt es mich öfter und schlimmer als den Nachwuchs? Immerhin geht er doch in den Kindergarten und nicht ich. Die Erklärung ist so einfach wie logisch: Der Nachwuchs bringt die Erreger aus dem Kindergarten mit nach Hause und das sind Erreger, die das Immunsystem eines Erwachsenen nicht mehr kennt. Die zu bekämpfen, muss das Immunsystem erst wieder lernen.

Wobei ich mir sicher bin, dass es noch nicht mal unbedingt mein Kind als Vermittler braucht. Wäre auch unfair, ihm die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn ich glaube, der tägliche Gang in den Kindergarten reicht bereits aus, um sich was einzufangen. Morgen für Morgen bringe ich den Nachwuchs in den Kindergarten und hole ihn genauso jeden Nachmittag wieder ab. Bei jedem Besuch fasse ich mindestens drei Türklinken an. Ich will gar nicht wissen, wie viele Krankheitserreger sich darauf tummeln. Okay, es ist auch möglich, dass ich mir die beim Einkaufswagen schieben im Supermarkt eingefangen habe. Aber eigentlich ist es auch egal, denn in jedem Fall ist es ziemlicher Mist.

Zu wenig Schlaf, zu viel Stress und zu kurze Erholungspausen begünstigen die Entstehung von Krankheiten besonders bei Eltern. Denn im Gegensatz zu unseren Kindern, können wir uns meistens nicht so ausgiebig erholen, wie wir es bräuchten. Ein Grund, weshalb die Kinder auch schneller wieder fit sind als wir. Sie erholen sich einfach besser. Aussichten, die meine Abwehrkräfte nicht gerade beflügeln. Ich fürchte, ich komme nicht drum herum, hinzunehmen, dass es jetzt so ist und vielleicht auch noch ein Weilchen so bleiben wird. Denn die Prognosen für das zweite Kindergartenjahr werden nicht besser. Wenigstens steh ich dann nicht wieder vollkommen überrascht da und wunder mich, warum ich öfter krank bin als mein Kind.

Green Smoothie oder einfach abwarten

So hilfreich diese Infekte für die Kinder sind, um ihre Abwehrkräfte zu stärken, so wenig Sinnvolles kann ich für mich bislang darin erkennen. Dabei war ich der Meinung, meine Abwehrkräfte seien bereits ganz gut gestärkt, immerhin achte ich auf gesunde Ernährung, viel frische Luft, ausreichend Bewegung, und das Händewaschen kommt natürlich auch nicht zu kurz.

Aber bislang nützt es so gut wie nichts, trotzdem bin ich dauerkrank. Vielleicht sollte ich auf diese viel gepriesenen Green Smoothies setzen, schließlich werden sie einem in den Sozialen Medien ja ständig als das Wunderzeug verkauft, neben kunstvoll angerichteten Smoothiebowls und anderen super mega lecker und stylisch in Szene gesetzten Superfoods. Aber welche Mutter schafft es bitte das jeden Tag in der Früh für sich und ihr Immunsystem herzurichten? Ich jedenfalls bekomme das alle paar Jubeljahre mal hin, von abwehrkräftestärkender Regelmäßigkeit kann da keine Rede sein.

Also kann ich euch noch nicht mal den ultimativen Tipp geben, wie ihr das erste, zweite und wahrscheinlich auch dritte Kindergartenjahr, einigermaßen unbeschadet übersteht. Es besteht lediglich die Hoffnung, dass Eltern gegen die Kinder-Keime irgendwann abhärten. Und spätestens im Frühling ist das Gröbste sowieso erst mal für ein paar Monate überstanden. Ob mit oder ohne Green-Smoothie-Superfood-Wunderwaffe.

dauerkrank
Sieht leider nicht nach Frühling aus.

Unsere Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten

Heute, nach 22 Tagen, war es soweit, wir haben die Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten abgeschlossen. Ein Meilenstein, für meinen Sohn und irgendwie auch für mich. Dabei fühlte es sich nie nach Eingewöhnung an. Was ich damit sagen will ist, dass es eher war als würden wir einem Weg folgen, der genauso für uns bestimmt ist. Ich habe zu keiner Zeit auch nur annähernd daran gezweifelt, dass das, was wir hier machen das Richtige ist. Auch wenn mich das selbst gewundert hat, so war ich nie traurig, dass mein Sohn jetzt in den Kindergarten geht. Denn ich hatte, genauso wenig wie er, einen Grund dazu traurig zu sein.

Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten

Loslassen ist (nicht) schwer

Ich weiß wie schwer diese Veränderung vielen Müttern fällt und ich kann das auch sehr gut verstehen. Da ich, wider Erwarten, dieses Erlebnis in der Form aber nicht hatte, hab ich mich manchmal schon fast ein wenig schlecht gefühlt. Aber das muss ich nicht! Denn ich weiß, dass es keinen Grund dazu gibt. Unsere Eingewöhnung war ein unglaublich freudiges Ereignis, allerdings lief sie auch auf eine Art ab, die sicherlich etwas besonders ist.

Denn wir hatten eine Art Eingewöhnung vor der Eingewöhnung. Bereits drei Monate vor Beginn der offiziellen Eingewöhnung waren wir das erste Mal zur sogenannten Freispielzeit in unserem Waldorf-Kindergarten zu Besuch. Einmal wöchentlich haben wir dort mit den Kindern und Erzieherinnen eine Stunde verbracht. Unterbrochen wurden diese Besuche dann allerdings mehrere Wochen von unserer Mutter-Kind-Kur und der Schließzeit des Kindergartens.

Ausgemacht hat das nichts. Denn in den zwei Wochen vor der offiziellen Eingewöhnung waren wir fast täglich zur Freispielzeit zu Besuch. Da war der Schritt zum richtigen Kindergarten-Kind nur noch ein kleiner. Auch wenn er sehr bedeutend ist, war er nicht schwer zu gehen, denn er wurde uns sehr leicht gemacht. Durch die viele Zeit, die wir schon im Kindergarten verbracht haben, die unglaublich tolle Umgebung und die lieben Menschen dort.

Erste Eingewöhnungs-Erfahrungen in der Mutter-Kind-Kur

Außerdem hatten wir ja bereits in der Mutter-Kind-Kur eine Art Feuerprobe. Dort wurde mein Sohn bereits fremdbetreut, immer dann, wenn ich Anwendungen und Therapien hatte. Wie das ablief, könnt ihr hier nachlesen. Auch wenn das für mich am Anfang nicht leicht war, war es insgesamt eine positive Erfahrung. Wahrscheinlich hat genau die beim zweiten Versuch vieles zusätzlich erleichtert.

Wie lief die Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten ab?

Definitiv komplett anders als in der Mutter-Kind-Kur. Logischerweise langsamer und länger, denn hier hatten wir im Gegensatz zur Mutter-Kind-Kur die Zeit dazu. Erfolgt ist sie nach dem sogenannten Berliner Modell. Das heißt, dass ich zunächst immer eine gewisse Zeit mit meinem Sohn im Raum war. Allerdings habe ich mich hauptsächlich mit meinen eigenen Dingen beschäftigt. Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich das Stricklieseln für mich wiederentdeckt habe.

Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten 2
Ich und meine Strickliesel

Es sollte für meinen Sohn klar sein, dass ich jetzt nicht dauerhaft zum spielen mit ihm in den Kindergarten gehe, sondern meine eigenen Aufgaben zu erledigen habe. So konnten wir dann die Zeitspannen, die ich mit ihm im Raum bleibe, immer weiter verkürzen. Manchmal war er nicht begeistert, wenn ich mich „zur Arbeit“ verabschiedet habe, aber wirklich schwer genommen hat er es auch nicht.

So war es dann auch ziemlich bald soweit, dass ich nicht mehr länger im Mitarbeiter-Raum Platz nehmen musste, sondern für rund drei Stunden nach Hause fahren konnte. Das Handy für den Notfall natürlich immer griffbereit (eingetreten ist dieser Notfall aber nicht). Ich habe den Nachwuchs also morgens in den Kindergarten gebracht und nach dem Mittagessen wieder abgeholt. Schwer gefallen ist mir das nicht, denn ich wusste, dass es ihm gut geht.

Es hat mir unheimlich viel bedeutet zu sehen und zu wissen, wie er mit den anderen Kindern umgeht und sie mit ihm. Wie die Erzieherinnen mit den Kindern umgehen und welche Abläufe stattfinden.

Eine letzte Hürde

Die stand uns in dieser Woche allerdings noch bevor. Obwohl bis dahin alles super gelaufen war, abgeschlossen ist die Eingewöhnung erst, wenn der kleine Mann auch seinen Mittagsschlaf im Kindergarten macht. Und Mittagsschlaf ist nicht seine Stärke. Denn tagsüber schläft er partout nicht im Bett, nur im Kinderwagen oder im Auto. Und das auch nur, wenn er Lust dazu hat. Da kann er noch so müde sein.

Das hat einige Tage, der sonst so guten Eingewöhnung, echt erschwert, für mich zumindest. Denn mein Kind war, nachdem ich es aus dem Kindergarten abgeholt habe, die reinste Wundertüte. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Entweder war der Nachwuchs im besten Fall war so müde, dass er schon im Auto einschlief oder aber so aufgedreht, dass an Schlaf gar nicht zu denken war. In dem Fall war der Nachmittag meistens eine einzige Nervenzerreißprobe für mich. Denn die Launen hätten nicht schwankender sein können. Schlimmer als ich mit PMS.

Puh, was ein fehlender Mittagsschlaf so ausmachen kann! Mein Hoffnungsschimmer war wirklich, dass es entspannter wird, wenn der Nachwuchs es schafft im Kindergarten zu schlafen.

Nach einem Fehlstart hat es dann schon im zweiten Anlauf wunderbar geklappt. Auch da fühlte es sich wieder so an, als ob es genauso sein sollte und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Glück gehabt

Ja, wir hatten Glück. Glück, dass wir diesen heiß begehrten Platz im Waldorf-Kindergarten bekommen haben. Glück, dass es genau zum richtigen Zeitpunkt passiert ist. Nie hatte ich ein schlechtes Gewissen mein Kind bereits mit knapp zwei Jahren für täglich sechs Stunden in den Kindergarten zu geben. Glück, dass für uns der Tagesablauf zwar neu, aber auch absolut passend ist. Glück, dass wir alle uns bei alldem immer wohl gefühlt haben. Kurz: Einfach Glück, dass alles genauso ist wie es ist.

Eingewöhnung im Waldorf-Kindergarten 3
Garteln für die Gemeinschaft

Warum Waldorf? 

Weil mir das Konzept gefällt. Es jetzt hier zu erläutern würde den Rahmen sprengen. Klar, fallen einem zu Waldorf erst mal die gängigen Vorurteile ein: Namen tanzen, Bäume umarmen, etc. Aber da ist es wie bei jedem Vorurteil, wer sich genauer mit der Thematik beschäftigt, wird meistens eines besseren belehrt. Davon mal abgesehen, was wär den so schlimm daran seinen Namen tanzen zu können? Klar, als Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu … kann das schon mal dauern. Aber wer heißt denn schon so?

Jedenfalls mag ich die Einfachheit, die dort herrscht. Keine mit Spielzeug überladenen Räume, viele natürliche Spielsachen aus Holz, Kork, Wolle und Filz. (Im Sand wird auch mit ganz normalem Plastikspielzeug gespielt.)

Sehr gut gefallen mir auch die festen Abläufe, die jeden Tag gleich sind. Ebenso wie die Mahlzeiten, die dort zubereitet werden, damit jedes Kind das gleiche Essen vor sich hat. (Auch für mich ist das praktisch, dass ich kein extra Frühstück zubereiten muss.) Die Mahlzeiten hab ich hier bereits etwas genauer erläutert.

Alles in allem hat dieser Kindergarten für mich etwas sehr familiäres, auch weil alle mit anpacken. Die Eltern haben über das Kindergartenjahr bestimmte Aufgaben und an festen Terminen ist jeder mit dabei, um auch einmal Großreine zu machen. Das erzeugt ein schönes Miteinander und irgendwie fühlt es sich sogar ein bisschen wie zuhause an. Denn da wird ja auch nicht nur gespielt, geschlafen und gegessen, sondern auch geputzt und gearbeitet.