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Warum ein Leben ohne Instagram schöner ist

… hin und wieder zumindest!

Nicht erst seit gestern habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu der App. Es ist eine Hassliebe, die uns verbindet. Das war nicht immer so. Als ich anfing, mir Fotos von anderen anzusehen und selbst sporadisch etwas zu posten, gab es das Wort Influencer noch nicht. Damals hat man all das aus Spaß an der Freude gemacht. Bis – ja bis – Instagram zu einem Marketingwerkzeug, einem Treffpunkt für zum Teil fragwürdige Selbstdarsteller und eben Influencer wurde. 

Ab da ging es nicht mehr nur um den Spaß an der Freude, sondern um möglichst viele Likes, Kommentare und Follower. Schließlich war Instagram für viele nicht mehr nur ein Hobby sondern sowas wie ein Beruf. Und die Follower – sofern sie echt und nicht gekauft waren – konnten einen ja überhaupt erst auf den heiligen Influencerstatus erheben. Dort angekommen, haben diejenigen, die jetzt eben „wer sind“ mit ihren – natürlich authentisch in Szene gesetzten – Werbegoodies und geistigen Ergüssen ihre Followerschaft überschwemmt. Ob die es wollte oder nicht.

Nicht alle gleich

Auch wenn es verallgemeinernd klingt, so meine ich es auf keinen Fall so, denn es gibt zahlreiche Menschen, die sich für tolle, wichtige und notwendige Dinge auf Instagram einsetzen. Hin und wieder auch mal Werbung machen. Aber im Allgemeinen das Maß kennen. Aber dazwischen tauchen eben auch immer wieder die anderen auf, wenn auch nur als gesponserter Beitrag.

Darunter die, die ihr Letterboard nur deshalb in die Kamera halten, weil es Likes bringt und gerade total hip ist. Die, die mir subtil versuchen ihre unabhängige Lebensweise als die einzig richtige zu verkaufen. Die, die mir Ratschläge geben, obwohl ich nicht danach gefragt habe und mir das Gefühl vermitteln, dass ich und mein Leben einfach nicht gut genug sind, zumindest nicht solange ich mir nicht dieses und jenes Teil kaufe. Oder ihren nächsten Onlinekurs buche, um irgendwas, was in meinem Leben anscheinend grundlegend schief läuft (Ach, ist mir noch gar nicht aufgefallen!) zu optimieren.

Selbstoptimierungswahn, nein danke!

Werbung ist das eine, Tipps zur Selbstoptimierung an jeder Ecke das andere. Ich hatte das Gefühl, dass mir ständig suggeriert wird, noch mehr tun zu müssen und diese Fortschritte und Veränderungen dann am besten auch direkt zu zeigen. Bis ich gemerkt habe, dass es mir dadurch kein Stück besser geht, sondern mich nur noch mehr unter Druck setzt.

Denn ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis: Ich bin schon verdammt gut so wie ich bin. Ich muss mich nicht ständig selbst optimieren und beworbenen Onlinekurs über beworbenen Onlinekurs buchen, um noch besser zu werden. Es reicht, so zu sein, wie ich bin. Am besten mit vom Handy, Tablet und PC gelösten Blick.

Authentizität? Dass ich nicht lache!

Denn was einem die Werbefiguren und Selbstoptimierer nicht selten versuchen zu verkaufen, ist die viel und hoch gepriesene Authentizität. Aber gerade an der Stelle sollte sie besonders kritisch hinterfragt werden. Denn es gibt doch kaum einen Influencer, der nicht jeden Tag, wahrscheinlich sogar mehrfach, auf Instagram präsent ist.
Praktischerweise gibt es dafür ja auch Apps, die den eigenen Social-Media-Workflow optimieren sollen. Ja, die sogar ganz sozial (Ähem! Hust!) Content für mich posten. Natürlich zur optimal besten Tageszeit, um ja viele meiner Follower zu erreichen. Aber ein automatischer Post und Contentproduktion im Vorfeld für „schlechte Tage“ zur Reichweitengenerierung hat für mich nichts mehr mit Authentizität zu tun. Abhängigkeit und der Drang, liefern zu müssen, um dem Algorithmus zu gefallen, sind da wohl eher die Antreiber. Authentizität ganz sicher nicht.

Passend zu gesamten Thematik habe ich in dem Buch Das Millennial-Manifestvon Bianca Jankovska ein sehr stimmiges Zitat gefunden:

„Den eigenen Vorteil auf Instagram wie eine Errungenschaft zu präsentieren, finde ich nicht nur gefährlich, ich finde es auch arrogant. Es vermittelt anderen das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, wenn sie nicht mit einem Birchermüslich auf dem Schoß aufwachen und statt des Spaziergangs erst mal den Weg zur ganz normalen Arbeit antreten.“
Denn dass dieses Foto nicht zwingend aktuell am selben Morgen geschossen wurde, sondern tags zuvor ewig in Szene gesetzt worden war, dürfte inzwischen ja wohl jedem klar sein.
Dieses Zitat hier ist nicht weniger treffend:

„Das, was mich an Fees Profil [Anm. von mir: Instagramprofil einer früheren Freundin der Autorin] stört, ist nicht, dass sie dort ein gutes Leben präsentiert. Mich stört, dass sie und andere Influencer ihr gutes Leben wie eine Selbstverständlichkeit verkaufen, die jeder erreichen kann, ohne dabei zu berücksichtigen, dass anderswo andere Voraussetzungen herrschen.“

Fallen über Fallen

Genau das ist wohl auch die größte Falle, in die gerade wir Mütter ständig tappen, denn sie wird uns Tag für Tag auf’s Neue gestellt. 
So sehr ich mich doch immer wieder dagegen wehre, mich nicht zu Vergleichen hinreißen zu lassen, so gestehe ich doch, dass es unbewusst noch viel zu oft passiert. Ein wenig hilft es mir, mantramäßig immer neu zu wiederholen: Ich bin ich. Ich bin nicht die anderen.
Das, was andere Mütter und Familien mir präsentieren ist nur ein Ausschnitt, und zwar ein gerade mal 14 x 7 cm großer. Eigentlich lächerlich, zu meinen, dass man daraus auf eine ganze Existenz schließen kann. 

Also Schluss damit!

Nicht grundsätzlich mit der App, aber mit den Dingen, die mir persönlich (nicht mehr) gut tun. Denn das ist mein Feed und das, was ich bestimmen kann zu sehen, bestimme ich auch. Denn ich will mich nicht mehr von Dingen berieseln lassen, die mich nicht interessieren. Deshalb habe ich Abonnements ausgemistet und am Wochenende, wo mein Feed mit Werbung überschwemmt wird, schaue ich ohnehin kaum noch rein.

Wenn ich Instagram öffne, dann bewusster. Um etwas Bestimmtes zu suchen, mich gezielt inspirieren zu lassen, etwas von den Leuten zu erfahren, denen ich gerne folge und vielleicht auch mal wieder ein bisschen was von mir zu erzählen. Dafür und für nichts anderes! Das bedeutet auch, dass ich folgende Dinge nicht mehr tue:

  • Ich mache keine Fotos mehr und das in zigfacher Ausführung, bis ein instagramtaugliches Bild dabei ist.
  • Ich scrolle nicht mehr durch meinen Feed oder schaue Instastories aus Langeweile, und merke 45 Minuten später auf einmal welch wertvolle Zeit meines Lebens ich damit verplempert habe.
  • Ich denke nicht mehr, „Oh, das könntest du jetzt gut bei Insta posten“, sondern genieße stattdessen einfach nur den Moment.
  • Ich habe keine Angst mehr, etwas zu verpassen, wenn ich mal drei Tage nicht bei Instagram reinschaue. 
  • Ich muss nicht täglich was posten, auch wenn mir nicht danach ist, nur um ja keine Reichweite zu verlieren.

Ich könnte die Liste noch weiter fortsetzen, aber ich denke, die Botschaft ist angekommen. 

Praktische Tipps 

Trotz geübter Kritik sehe ich für mich keinen Grund mich komplett von der App zu verabschieden – zeitweise detoxen, ja, aber ganz, nein. Denn wenn ich sie richtig nutze und auf meine Bedürfnisse anpasse, dann ist sie neben einer Inspirationsquelle auch ein Treffpunkt toller Menschen, die, auch wenn ich nicht alle im „wahren Leben“ kenne, sehr mag.
Mit „auf meine Bedürfnisse anpassen“ meine ich zum einen den Wunsch und den Willen, das Smartphone auch mal außer Acht zu lassen. Dann verschwindet die FOMO (fear of missing out, oder auf deutsch: Angst etwas zu verpassen) von ganz alleine.
Deshalb habe ich vor Ewigkeiten schon meine Push-Benachrichtigungen ausgestellt. Und seit Neuestem nutze ich auch die Mute-Funktion. Die blendet Postings und Stories einfach aus. Denn manchen Leuten möchte ich nicht entfolgen, aber einfach auch nicht jeden Tag ihren Content sehen. Stattdessen lieber bewusst entscheiden, ob und wann ich mir ihre Stories und Posts anschaue. Die Personen selbst bekommen davon übrigens nichts mit.  

Beste und wirkungsvollste Maßnahme übrigens und überhaupt logische Konsequenz: Ich habe die Accounts, die mir zuletzt wirklich auf den Geist gegangen oder einfach nichts mehr gegeben haben deabonniert. Eine der leichtesten Maßnahmen. Denn sich darüber aufzuregen, statt einfach auch „Unfollow“ zu drücken zeigt mir nur, dass man sich selbst nicht so viel wert ist. Wer regt sich schließlich schon gerne absichtlich auf. Ich zumindest nicht.

Mehr Zeit und mehr Lebensqualität

Das war es also: Ich habe mein Nutzerverhalten reflektiert, meine Prioritäten neu gesetzt und investiere Zeit in die Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Das kann keine App. In keiner Form. 

Deshalb habe ich einen großen Schritt zurück gemacht, hin zu einem bewussteren Umgang mit dem, womit wir uns Tag für Tag in unseren Social Media Feeds überschwemmen lassen. Denn ich möchte nicht zur Marionette meiner Smartphone-Apps werden. Ich bin immer noch ihr Spieler. 

2 Gedanken zu „Warum ein Leben ohne Instagram schöner ist

  1. Was für ein toller Artikel! Du schreibst mir wirklich aus der Seele!
    Ich sehe und handhabe das genauso!
    Bin froh, deinen Blog entdeckt zu haben und schau mich dort gleich mal weiter um 🙂

    1. Vielen lieben Dank! 🙂
      Ich denke, dass es vielen so gehen wird. Deshalb habe ich auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich Instagram irgendwann wieder zu dem entwickeln wird, was es mal war.
      Viel Spaß noch beim Stöbern!

      Liebe Grüße
      Linda

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