Windelfrei in 52 Wochen – So läuft Trockenwerden wirklich ab

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Ihr kennt sie sicher , diese Zauberformeln mit deren Hilfe euer Kind durchschläft, sich stundenlang selbst beschäftigt und im Nu trocken wird. Nein? Ich auch nicht! Deshalb finde ich es umso wichtiger mal die Realität zu thematisieren. In dem Fall, dass ein Kind nicht in drei Tagen trocken wird. Also zumindest nicht jedes und nicht dauerhaft. Ausnahmefälle gibt es ja bekanntlich immer. Warum wir gar nicht erst versucht haben, unser Kind in drei Tagen windelfrei zu bekommen, liegt an dem, wenn man so will, bedürfnisorientieren Ansatz, den wir hier leben. Es hat also „etwas“ länger gedauert. Warum das überhaupt nicht schlimm war und für uns sogar genau richtig? Lest selbst!

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Projekt „Windelfrei“ startet jetzt

Ich weiß gar nicht mehr, was damals den Ausschlag gegeben hat, aber kurz vor dem zweiten Geburtstag des Nachwuchses, haben wir Eltern uns dazu entschieden, einen Sitzaufsatz für die Toilette zu kaufen. Wir hatten das Gefühl, dass wir es ja mal ausprobieren können.  Entweder klappt’s oder es klappt nicht. Immerhin werden wir den Aufsatz für die Toilette früher oder später sowieso brauchen. Und ob wir ihn jetzt früher oder später kaufen, ist egal. Was da ist, ist da.

Die ersten Male hat der Nachwuchs das Teil äußerst interessiert begutachtet und ausprobieren wollen. Heißt: draufsetzen und das war’s. Passiert ist nichts. Bis zum ersten glücklichen Zufall.

Er hat Pipi gemacht!

Die Freude darüber war riesig. Ziemlich schnell war allerdings klar, dass das jetzt kaum die Regel sein wird. Dennoch haben wir es immer mal wieder ausprobiert. Den Nachwuchs animiert, ihm aber immer die Entscheidung überlassen, ob er auf die Toilette gehen will oder nicht.

Das Projekt „Windelfrei“ plätscherte so dahin und knappe drei Monate nach dem Start war es dann tatsächlich soweit: Der Nachwuchs wollte immer öfter von sich aus auf die Toilette gehen.

Ein paar Wochen später wollte er zu Hause keine Windel mehr tragen. Okay, geht klar! Ihr könnt euch sicher denken, dass häufig genug noch etwas daneben ging, aber: Kein Drama! Wir haben weiter gemacht un die Windel weggelassen.

„Ich will keine Windel anziehen!“ morgens vor dem Kindergarten hat mich dann doch überrascht. Ich wies die Erzieherinnen darauf hin und die haben nicht schlecht gestaunt. Das sei doch noch zu früh. Aber wer entscheidet das? In dem Fall hat es mein Kind entschieden. Das kann nicht so falsch sein. Klar, ab da lagenen definitiv genug Wechselsachen im Kindergarten. 

Tatsächlich wollte der Nachwuchs gar nicht jeden Tag auf die Windel verzichten. Es gab genauso Tage, an denen er sie wieder eingefordert hatte. Besonders dann, wenn kurz zuvor mal wieder etwas daneben gegangen ist.


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Zu spät bemerkt

In den ersten windelfreien Monaten war es oft so, dass der Nachwuchs es nicht rechtzeitig auf die Toilette geschafft hat. Besonders dann, wenn er konzentriert und intensiv gespielt hat. Pipi ging gerne mal in die Hose. Aa bemerkte er immer rechtzeitig. Bis auf eine Ausnahme ging da nichts daneben.
Beides hatte sich im Laufe der Zeit eingespielt. Kurz vor Ablauf des ersten Kindergartenjahres war der Nachwuchs tagsüber trockenGedauert hat der Prozess ungefähr ein dreiviertel Jahr. Der Nachwuchs war zu dem Zeitpunkt also quasi „halbtrocken“. Denn, was nachts während des Schlafens passierte, war eine ganz andere Geschichte.

Nachts trocken werden

Nachts war die Windel meistens noch ziemlich voll. Also war klar, beim Schlafen bleibt sie erstmal an. Zumindest so lange, bis wir uns unserer Sache sicher sind. Mit der Zeit war die Windel morgens öfter leer, also wagten wir einen Versuch. Natürlich ging es ausgerechnet in der ersten windelfreien Nacht schief.

So eine Nacht wollte der Nachwuchs nicht nochmal riskieren und bestand am nächsten Abend wieder auf seine Windel. Nach zwei Wochen komplett trockener Nächte, wagten wir erneut einen Versuch. Die Windel tauschten wir ab da nachts gegen eine Unterhose. Und es funktionierte. Das passierte ziemlich genau 52 Wochen nachdem wir den ersten Versuch zum Trockenwerden gestartet hatten.

Es hat uns gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben. Kinder funktionieren nicht auf Knopfdruck, Töpfchentraining-Wunderratgeber brauchten wir nicht. Wozu sich auch unter Druck setzen? Dass der Nachwuchs vor seinem dritten Lebensjahr trocken wurde, war schön und auch praktisch. Wäre es nicht so gekommen, wäre es auch nicht schlimm gewesen.

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Windeln abzugeben!

Nichts erzwingen

Von Anfang an haben wir nichts trainiert und nichts erzwungen. Kein Töpfchentraining nach Ratgeber XY, sondern Trockenwerden im eigenen Tempo, geleitet von den eigenen Bedürfnissen.

Wir als Eltern haben nichts forciert und dem Nachwuchs jederzeit die Entscheidung überlassen, eine Windel zu tragen oder nicht. Hin und wieder haben wir mal einen Anstupser gegeben und dann lief es bald von ganz allein.

Neben unseren Erfahrungen möchte ich noch sieben Punkte mit euch teilen, die uns geholfen haben das vermeintliche „Töpfchentraining“ möglichst entspannt anzugehen:

  1. Wie so oft, vergleicht euch und euer Kind nicht mit anderen! Egal wie schnell andere Kinder ohne Windel rumlaufen, das muss nicht auf euer Kind zutreffen. Zumal viele Kinder nicht selten wieder einen Rückschritt machen in die Windelphase. Das habe ich in meinem Umfeld mehrfach erlebt.
  2. Lobt euer Kind in den Anfängen, wenn es einen erfolgreichen Toilettengang hinter sich gebracht hat! Das motiviert.
  3. Geht mit dem Kind auf „Entdeckungstour“ und zeigt ihm, was es fabriziert hat! Anschauen reicht übrigens. 😉 Verabschiedet dann das Aa oder das Pipi gemeinsam bevor ihr es in die ewigen Kanalisationsgründe schickt.
  4. Macht dem Kind bloß keine Vorwürfe, wenn mal etwas daneben gegangen ist! Das kann passieren und wird passieren! Ich habe meinem Sohn immer gesagt, dass es nicht schlimm ist, er übe ja schließlich noch. Also neue, saubere Sachen an und weiter geht’s.
  5. Es gibt Situationen, in denen ein verpasster Toilettengang unangenehm werden kann, deshalb bedenkt das und achtet darauf, dass es nicht bei Oma auf dem neuen Teppich passiert oder wenn ihr gerade mit dem Auto unterwegs seid. Für solche Fälle haben wir auf Höschenwindeln gesetzt und hatten immer Wechselsachen parat. 
  6. Kauft coole und schöne Unterhosen! Sucht sie am besten gemeinsam mit eurem Kind aus. Das animiert zum Anziehen, schließlich sehen sie ja viel besser aus als Windeln.
  7. Abschließend der wohl wichtigste Tipp: Hört auf die Bedürfnisse eures Kindes und darauf, was euer Kind euch sagt! Wenn es auf Toilette muss, geht mit ihm zur Toilette. Wenn es nicht auf Toilette gehen will, zwingt es nicht. Selbst dann nicht, wenn eine längere Autofahrt bevorsteht. Ich glaube nicht, dass es etwas gebracht hätte, wenn ich meinem Sohn ständig gesagt hätte, wann er auf Toilette zu gehen hat und wann nicht. Damit wäre das Trockenwerden garantiert nicht schneller verlaufen, vielleicht sogar ganz im Gegenteil.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Trockenwerden? Schreibt’s mir in die Kommentare!

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