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Ein Jahr danach: Unser Alltag nach der Mutter-Kind-Kur

Gestern vor einem Jahr bin ich mit dem Nachwuchs zur Mutter-Kind-Kur gefahren und ganz besonders an Tagen wie heute, wo ich krank zu Hause liege und das mitten im Sommer, frage ich mich: Was ist davon eigentlich geblieben? Denn unter anderem dieses ständige Kranksein hat mich damals dazu gebracht, die Kur zu beantragen. Wie also sieht der Alltag nach der Mutter-Kind-Kur ein Jahr danach aus?

Alltag nach der Mutter-Kind-Kur

Unser Alltag nach der Mutter-Kind-Kur

In der Mutter-Kind-Kur habe ich viel Sport gemacht und das war mir wichtig im Alltag umzusetzen. Es hat auch geklappt. Ich gehe seit der Kur wieder, sofern ich gesund bin, regelmäßig laufen. Auch Yoga und mein 7-Minuten-Workout praktiziere ich regelmäßig. Allerdings hatte ich nach der Kur auch den Plan gefasst, einen Aqua-Fit-Kurs zu besuchen und mich mal wieder in einem Yogastudio anzumelden. Daraus ist nichts geworden. Inzwischen weiß ich aber auch, warum daraus nichts geworden ist. Nicht etwa weil ich zu faul bin, sondern einfach weil es nicht meinem Naturell entspricht.

Denn was ein weiterer Gewinn der Kur war, war es ,nicht nur verstärkt auf meine Bedürfnisse zu hören, sondern auch zu akzeptieren, wie ich denke, handle und fühle. So habe ich mich in den vergangenen Monaten selbst besser kennengelernt. Dazu hätte es vielleicht nicht zwingend eine Kur gebraucht. Aber sie hat doch einen Anstoß gegeben, einiges zu hinterfragen.



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So habe ich beispielsweise herausgefunden bzw. vielmehr endlich akzeptiert, dass ich introvertiert und hochsensible Züge aufweise. Bislang habe ich immer versucht dagegen „anzukämpfen“ und mich gefragt, warum ich so oft meine Ruhe brauche oder warum ich mich schneller überlastet fühle als andere oder warum mir nicht liegt, ständig unter Leuten zu sein etc. Jetzt weiß ich, warum es so ist und lebe dies auch bewusst, ohne mich deshalb schlecht fühlen zu müssen. Auch wenn längst noch nicht jeder Verständnis dafür aufweist.

Und das ist in meinen Augen auch das Einzige, was eine Kur leisten kann, zeigen, was einem gut tut und selbst versuchen, das passend auf seinen Alltag umzusetzen. Das muss nicht der Aqua-Fit-Kurs sein, auch wenn er in der Kur noch so viel Spaß gemacht hat. Es kann auch einfach die Laufrunde mit sich alleine sein. Denn, um ehrlich zu sein, mag ich fixe Termine nicht besonders, sie stressen mich nur. Mir spontan zu überlegen „So, jetzt gehst du gleich eine Runde laufen“ ist mir da viel sympathischer.

Auch da dachte, ich lange Zeit, dass das ja wohl nicht sein kann, schließlich besuchen andere Mütter doch auch Fitnesskurse. Liegt das etwa bloß an fehlender Motivation oder an meinem inneren Schweinehund? Nein, es ist schlicht und einfach Teil meiner Persönlichkeit.
Alltag nach der Mutter-Kind-Kur
Laufen ist ein fester Bestandteil in meinem Alltag geworden. Mit Erfolg, wie man sieht.

Neue Wege finden

Inzwischen suche ich mir im Alltag neue Wege, um zu entspannen. Das sind oft nur kleine Veränderungen, die aber eine große Wirkung haben. So genieße ich es zum Beispiel, mit dem Nachwuchs in unser Lieblingscafé zu gehen. Während er dort mit der Spielküche beschäftigt ist, kann ich in Ruhe ein Stück Kuchen und einen Kaffee genießen und vielleicht nebenbei sogar etwas arbeiten. Alternativ gehen wir gemeinsam in die Bibliothek. Während der Nachwuchs sich in der Kinderleseecke „austobt“, kann ich mich beim Lesen einer Zeitschrift zurücklehnen.

Außerdem erlaube ich mir und ihm, ohne schlechtes Gewissen auch hin und wieder mal fernzusehen oder am Tablet seine Lieblingsserie zu gucken, wenn mir das die Möglichkeit bietet, dafür mal selbst kurz abzuschalten. Denn mein Kind fordert nun mal viel Aufmerksamkeit. So gut er sich manchmal auch alleine und im freien Spiel beschäftigen kann, so sehr braucht er mich oft noch in seiner Nähe. Nicht immer stimmt das mit meinem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung überein. Aber mit diesen kleinen Tricks, kommen wir mittlerweile sehr gut zurecht und das ohne jegliche Art von schlechtem Gewissen.
Alltag nach der Mutter-Kind-Kur
Gemeinsam in die Bibliothek gehen

Immunsystem – da geht noch was

Im vergangenen Winter waren wir erneut sehr oft krank, das hat natürlich an meinen Reserven und auch Nerven gezehrt, aber ich habe es einigermaßen akzeptieren können. Wobei ich mich, gerade jetzt, da mich die Sommergrippe erwischt hat, schon frage, ob ich nicht noch irgendetwas falsch mache. Ob es nicht eine Möglichkeit gibt, die ich noch nicht kenne, die mir mehr Gesundheit und ein stärkeres Immunsystem bescheren könnte. Oder kümmer ich mich doch noch nicht so gut um mich wie ich dachte? Auf diese Fragen habe ich noch keine Antwort. Aber ich möchte mich auch nicht damit stressen sie zu suchen. Lieber warte ich erst einmal ab.


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Hätte ich etwas anders gemacht?

Seit der Kur nicht, aber in der Kur gibt es eine Sache, die ich im Nachhinein anders gemacht hätte. Mir stand es während des Kur-Zeitraums zu, einen Termin mit einem Psychologen zu vereinbaren und wahrzunehmen. Gegebenenfalls wären noch weitere Termine denkbar gewesen, aber ich habe noch nicht einmal den einen wahrgenommen. Warum? Weil ich dachte, ich bräuchte ihn nicht. Weil ich dachte, die anderen Mütter hätten ihn nötiger als ich. (Dabei wären für alle genug Termine dagewesen.) Weil ich dachte, meine Probleme wiegen im Vergleich nicht so schwer wie die der Anderen.

Ja, zu der Zeit habe ich mich noch zu sehr verglichen. Jedenfalls finde ich es im Nachhinein sehr schade, dass mich das davon abgehalten hat, mal ein Gespräch mit jemandem zu führen, der sich mit der Psyche des Menschen auskennt. Geschadet hätte es in keinem Fall.
Alltag nach der Mutter-Kind-Kur
Schreiben als „Selbst-Therapie“

Habe ich Kontakte gehalten?

Ich habe tolle Mütter in der Kur kennengelernt, mit zwei davon habe ich sogar Handynummern getauscht. Gehört haben wir seit der Kur nichts mehr voneinander. Es ist schwer zu sagen, warum es so ist. Aber es mag zu einem großen Teil sicher daran liegen, dass jeder erst mal genug damit beschäftigt war in seinen Alltag hineinzufinden. Außerdem haben wir doch alle irgendwie unsere eigenen Leben.

Es waren Lebensabschnits-Begleiterinnen, zugegeben für einen sehr kurz, dafür aber nicht weniger intensiven Lebensabschnitt. Ich bin sehr dankbar, diese drei Wochen mit ihnen gemeinsam verbracht haben zu dürfen, denn sie haben auch dafür gesorgt, dass ich vor Ort Freundinnen hatte, jemanden zum Quatschen, Spaß haben, Ausflüge unternehmen. Aber jetzt bin ich wieder in meiner Welt, mit Familie und Freunden. Und selbst bei denen ist es nicht immer leicht den regelmäßigen Kontakt zu halten.

Das Gute ist, dass wir uns das nach Jahren der Freundschaft nicht übel nehmen, und es bei den Anderen auch nicht weniger schwierig ist, mit Arbeit, Familie, Hobbies etc. Dennoch glaube ich, dass mir das ausreicht. Zumal ich eben auch sehr gerne Zeit für mich habe, viel Zeit für mich. Und dafür muss ich mir Platz einräumen.


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Und was ist mit dem Nachwuchs?

Für ihn war die Kur wahrscheinlich längst nicht so bedeutungsvoll wie für mich. Er hat die Zeit dort einfach mit Spielen und den kleinen und größeren Abenteuern genossen. Was ich allerdings glaube, ist, dass ihm durch die Kur die Eingewöhnung im Kindergarten leichter gefallen ist, da er eine Mini-Eingewöhnung ja schon in der Kur hatte. Aber ob das wirklich so ist, kann ich natürlich nicht mit Gewissheit sagen.

Seit der Kur weiß ich jedenfalls umso besser, welchen Weg wir gehen wollen, insbesondere in Sachen bedürfnisorientierter Erziehung. Darin haben mich viele Gespräche in der Kur, sowohl mit Therapeuten als auch mit anderen Müttern bestärkt. Es war so, dass ich zwischenzeitlich hier und da mal wieder gezweifelt habe, ob mir das so gelingt wie ich es will, und ob meine Bemühungen ausreichen. Aber es gelingt mir immer öfter diese Zweifel abzulegen. Aus gutem Grund! Welcher das ist, lest ihr hier.

Mein Fazit ein Jahr danach

Generell waren die drei Wochen, nach anfänglichen Schwierigkeiten, sehr entspannt. Auch ein Jahr danach kann ich eine Mutter-Kind-Kur noch jedem ans Herz legen. Mit dem Zusatz: Ihr dürft halt nur keine Wunder erwarten. Außerdem bedeutet es Arbeit, das Gelernte im Alltag nach der Mutter-Kind-Kur umzusetzen. Natürlich ist es utopisch alles umsetzen zu wollen. Das kann nur frustrieren. Aber das, was einem wirklich wichtig ist, wird einem auch gelingen. Davon bin ich überzeugt.

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