Mein Kleinkind abstillen – Unser emotionaler Weg

Etwas über ein Jahr ist es jetzt her, dass ich den Nachwuchs abgestillt habe. Vollkommen überraschend und anders als erwartet. Dennoch schien dieser Weg, obwohl er für mich sehr emotional war, im Nachhinein für uns ein guter und richtiger gewesen zu sein. Dabei war er alles andere als geplant. Ein Kleinkind abstillen, das kann auf unterschiedliche Arten verlaufen, hier ist unsere Still-Geschichte.

Wie lange willst du denn noch stillen?

Insgesamt 18 Monate habe ich meinen Sohn gestillt und ich bin froh über jeden Still-Moment den wir in dieser Zeit zusammen hatten. Das Stillen war für mich etwas unglaublich schönes, nie eine Last oder etwas, das mir das Gefühl gegeben hat auf etwas verzichten zu müssen. Nie glaubte ich meinen Körper nicht für mich zu haben. Das hatte ich, nur eben anders als ich es bislang gewohnt war.

Was wahrscheinlich eine große Erleichterung für mich und uns war, war die Tatsache, dass das Stillen von Anfang an super geklappt hat. Es lief – im wahrsten Sinne des Wortes – ohne Probleme. Aus meinem Freundeskreis weiß ich, dass das leider nicht immer der Fall ist und war. Was oft dazu geführt hat, dass die Mütter entweder gar nicht gestillt haben oder zumindest sehr früh wieder abgestillt haben.

Stillen – Ein sensibles Thema

Stillen ist oft ein sehr sensibles Thema, denn jeder hat dazu eine andere Meinung. Leider auch jeder, der momentan selbst davon gar nicht betroffen ist. Nicht selten musste ich mir die Frage gefallen lassen: „Wie lange willst du dein Kind denn noch stillen?“ Und das nur, weil mein Sohn inzwischen laufen konnte, bereits selbst aß und aus dem Babyalter entsprungen war. Ja, das mochte für so manchen, gerade älteren Menschen, komisch sein. Für mich war es etwas vollkommen Natürliches. Mein persönlicher Plan sah vor bis zum zweiten Lebensjahr zu stillen. Das lag ungefähr mit dem Beginn des Kindergarten-Zeitalters zusammen.

Das Kleinkind nachts abstillen

Dennoch wollte ich das Stillen natürlich reduzieren, besonders nachts wurde es mir irgendwann zuviel. Dabei bin ich auf eine Methode gestoßen, nach der die Mutter einfach nach und nach die Stilldauer um eine Minute verkürzt. Konkret sah das so aus, dass ich nachts zunächst normal gestillt habe und dabei auf die Uhr gesehen habe. Wenn die Stillmahlzeit in dieser Nacht noch zehn Minuten gedauert hat, sollte sie in der kommenden Nacht nur noch neun Minuten dauern. Das haben wir solange fortgeführt, bis das Verlangen nach Milch nachts kaum noch da war. Denn hauptsächlich wollte mein Sohn aus Gewohnheit gestillt werden. Mit einer bis maximal zwei nächtlichen Mahlzeiten hätte ich gut weiterleben können. Hätte…

Wenn es anders kommt als erwartet

Als mein Sohn knapp 18 Monate alt war, musste ich vollkommen unerwartet ins Krankenhaus, um operiert zu werden. Grund dafür war die Kupferspirale, den ausführlichen Bericht dazu findet ihr hier. Da die Operation komplizierter war als gedacht, hatte das auch Auswirkungen auf die Länge meines Krankenhausaufenthaltes und auch auf die Schmerzen, die ich während dieser Zeit hatte.

Eigentlich hatte ich vor, wäre die OP verlaufen wie erwartet, nach ein, zwei Tagen weiterzustillen. Aber das war einfach nicht möglich und ich war auch überhaupt nicht in der körperlichen Verfassung dazu. Schon vor der OP hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich meinen Sohn nun zum letzten Mal stillen werde und es hat sich bewahrheitet. Für mich ein sehr emotionaler Moment, der mir noch heute ein wenig die Tränen in die Augen treibt. Denn er war nicht so, wie ich es erhofft hatte.

Alle Hoffnungen weiterzustillen waren dahin

Meine Hoffnung war ursprünglich, dass mein Sohn sich irgendwann einfach von selbst abstillen würde, stattdessen folgte jetzt quasi der kalte Entzug. Mit 18 Monaten hat er schon gut gegessen und war nicht mehr auf die Muttermilch angewiesen, das hat mich beruhigt. Dennoch wollte er zu der Zeit noch zwischen drei und fünf Mal täglich (einmal davon nachts) gestillt werden. Denn beim Stillen geht es nicht nur, um die reine Nahrungsaufnahme, sondern auch um die Nähe und Bindung zur Mutter. Deshalb hatte ich zunächst Sorge, was die emotionale Ebene angeht.

Trotzdem ist es durch die räumliche Trennung besser gelaufen als ich es erwartet hätte. Da ich im Krankenhaus war und nicht zu Hause, hatte mein Sohn gar nicht die Möglichkeit die Brust zu verlangen und ich glaube auch, dass er das verstanden hat. Insgesamt zehn Tage war ich von zu Hause weg und in diesen zehn Tagen hat sich das Thema Stillen für uns erledigt.

Mein Kleinkind abzustillen lief überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber, in Anbetracht der Umstände, lief es gut. Denn nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, verlangte der Nachwuchs auch nicht mehr nach der Brust. Er hat mir die ganze Situation so sehr erleichtert. Denn das war meine größte Sorge.

Kleinkind abstillen

Das Kleinkind abstillen – der richtige Weg

Wann es soweit ist und wie abgestillt werden soll, das ist, wie ihr an unserem Beispiel sehen könnt, nicht immer eine selbst getroffene Entscheidung. Allerdings wohl ein Ausnahmefall. Dennoch glaube ich, dass es den richtigen Weg zum Abstillen nicht gibt. Irgendwer entscheidet immer, wann es soweit ist. Manche Mütter entscheiden selbst, dass nach sechs Monaten Schluss ist. Ich wollte meinem Sohn die Entscheidung überlassen, wann er abgestillt werden möchte, hätte aber den zweiten Geburtstag forciert. Letzten Endes hat, wenn man so will, eine höhere Macht entschieden, dass bereits nach 18 Monaten Schluss ist.

Möglichkeiten abzustillen, gibt es viele. Unsere von-jetzt-auf-gleich-Methode war zwar unfreiwillig, hat sich aber als kurz und, ich behaupte mal, schmerzlos erwiesen. Weshalb ich im Nachhinein irgendwie auch froh bin, dass es so funktioniert hat. Allerdings bezweifle ich, dass diese Methode wirklich die beste ist und auch, dass sie funktioniert, wenn Mutter und Kind ständig zusammen sind. Durch die räumliche Trennung hat es bei uns geklappt. Hätte ich mich zuhause bewusst dafür entschieden, wäre das ganz sicher schwer geworden.

So weit weg

Das Stillen war eine schöne Zeit. Es ist jetzt etwas über ein Jahr her. Leider kommt es mir manchmal noch viel länger vor. Erst neulich stellte jemand die Frage, wie es eigentlich für mich war in der Öffentlichkeit zu stillen. Und mir fiel auf: Ich konnte mich gar nicht mehr wirklich daran erinnern. Schlechte Erfahrungen habe ich aber nicht gemacht, das wüsste ich. Aber wie es war, wie es sich angefühlt hat? Ganz natürlich, so wie das Stillen allgemein für mich war. Alles hat eben seine Zeit und fühlt sich zu der Zeit genau richtig an. Manchmal entscheiden wir uns, dass es Zeit wird für eine Veränderung, manchmal das Leben. In beiden Fällen, lohnt es sich das beste daraus zu machen und die positiven Seiten zu sehen und zu genießen. Und das habe ich!

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