Wie ich Selbstliebe (vor)leben will

Weihnachten – in zwei Tagen ist es wieder soweit, das Fest der Nächstenliebe steht an, dabei schaffen es viele Menschen noch nicht einmal sich selbst zu lieben. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer es sein kann Selbstliebe zu praktizieren. Mittlerweile weiß ich aber auch, dass man es lernen kann, besser noch: sollte. Komisch das überhaupt lernen zu müssen, denn schließlich sind wir selbst doch der Mensch, der mit uns täglich am meisten zu tun hat. Sollten wir uns da nicht automatisch selbst lieben?

Selbstliebe lernen und vorleben

Warum ist das so schwer mit der Selbstliebe?

Wahrscheinlich weil wir uns und unsere Sicht auf uns oft viel zu sehr von außen steuern lassen. Ob bewusst oder unbewusst. Manches, was uns an unserer Person zweifeln lässt, hat sich vielleicht schon als Kind eingeprägt. Weiteres ist dann im Laufe der Jahre hinzugekommen: Zweifel in der Pubertät, Druck im Job, das Erfüllen gesellschaftlicher Konventionen, denen wir entsprechen wollen, sowohl innerlich als auch äußerlich etc.

Ich wette, dass jede Frau schon mal aufgrund ihres nicht perfekten Äußeren mit sich gehadert hat. Sogar die Allerschönsten. Aber ist das alles ein Grund sich nicht selbst zu lieben?

Wenn man sich dem unterwirft, dann vielleicht ja. Wenn man daraus versucht Stärke zu ziehen und sich davon nicht weiter negativ beeinflussen lässt, dann auf keinen Fall.

Wer ist Schuld?

Nur die Schuld im Außen zu suchen halte ich für falsch. Denn ich glaube, dass wir irgendwann im Leben alle an einem Punkt kommen, an dem wir uns fragen müssen, ob wir unser Glück wirklich weiterhin in die Hände anderer geben wollen. Ob etwas oder jemand wirklich so viel Macht über uns hat, dass wir uns selbst nicht lieben können.

Ich bin, was das angeht, wahrscheinlich „typisch Frau“. Wenn ich mich richtig erinnere hab ich schon seit Kindheitstagen mit mir, meinem Körper und meinem Gewicht gehadert. Erschreckend diese Vorstellung, aber auch heutzutage hör ich das nicht selten bei jungen Mädchen. Warum das bei mir so war, kann ich im Nachhinein an nichts Konkretem festmachen.

Jemandem die Schuld dafür zu geben wäre ungerecht. Denn ich denke, dass immer mehrere Faktoren dabei eine Rolle spielen. Vielleicht kommen manchmal viele Dinge auch nur unglücklicherweise auf einen Schlag zusammen. Trotzdem sollte damit auch niemand von seiner Verantwortung befreit werden. Nicht die Gesellschaft, nicht die Freunde, nicht die Eltern. Und weil ich inzwischen darum weiß, möchte ich sowohl als Teil der Gesellschaft, als Freundin und als Mutter Selbstliebe vorleben und unterstützen.

Selbstliebe Schnee
Du hast es in der Hand

Und was ist mit Selbstliebe bei Männern?

Zunächst dachte ich, dass ich als Mutter eines Jungen vielleicht Glück habe, gerade was die Sache mit den Schönheitsidealen angeht. Aber nach einigen Gesprächen mit erfahrenen Jungs-Mamis – und damit mein ich die, deren Jungs die Pubertät schon größtenteils hinter sich haben – denke ich da anders.

Ich glaube, dass auch Jungen ganz schön mit sich hadern können. Denn sie sind ja auch nicht alle durchtrainierte und frauenbetörende Justin Biebers. (Zum Glück!) Wahrscheinlich hat spätestens in der Pubertät jeder, egal, ob Junge oder Mädchen, so seine Selbstzweifel, weshalb auch immer. Wichtig ist nur, dass die sich nicht manifestieren und zu lange anhalten. Wie schon gesagt, ich war lange, bis Ende 20, unzufrieden mit mir und in erster Linie meiner Figur. Teilweise bin ich das auch heute noch, aber anders. Viel seltener und ich gehe wesentlich verständnis- und liebevoller mit mir um.

Selbstliebe sollte selbstverständlich sein

Mittlerweile habe ich Selbstliebe entwickelt. Und das war eines der besten Dinge, die mir in den vergangenen Jahren, abgesehen von der Familiengründung, passiert sind. Vielleicht musste ich das auch erst lernen, um überhaupt bereit für eine Familie zu sein.

Und jetzt erst Recht. Denn wie kann man sich nicht selbst lieben, wenn man doch täglich so viel Großartiges schafft? Der eigene Körper ist so ein Wunderwerk, der so viel leistet. Dass er einen ganz neuen Menschen entstehen lässt, ist die absolute Krönung des Ganzen. Wie kann ich diesen Körper und mich dann nicht lieben?

Genau das fällt aber vielen Frauen nicht nur vor, sondern wahrscheinlich noch stärker nach Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit schwer. Einerseits verständlich, denn der Körper hat sich verändert. Bei der einen Mutter mehr, bei der anderen weniger. Aber das ist doch per se nichts Schlechtes. Es ist natürlich.

Selbstliebe 2
Sport ja, aber für’s Wohlbefinden

Annehmen, nicht hinnehmen

Damit bin ich auch schon bei einem sehr wichtigen Punkt, der mir zum Thema Selbstliebe auf dem Herzen liegt. Vor einiger Zeit habe ich einen interessanten Artikel zum Thema bei laufvernarrt gelesen. Darin wird kritisiert, dass als Selbstliebe oft propagiert wird, sich selbst zu mögen egal wie man aussieht, egal wie man sich in seinem Körper fühlt, ungeachtet möglicher gesundheitlicher Aspekte. Wenn man sich selbst liebt, sollte man sich aber genau das ermöglichen, Gesundheit. Durch gesundheitsfördernde Nahrung, Sport und vor allen Dingen durch gesunde Gedanken.

Selbstliebe ist für mich, sich in der Form, die einem gegeben wurde zunächst einmal zu akzeptieren und dann das Beste aus sich rauszuholen. Ich muss nicht hinnehmen, dass ich nach der Schwangerschaft einen Schwabbelbauch habe, aber ich sollte es zunächst einmal annehmen und nicht nach irgendwelchen utopischen Idealen streben á la zwei Monate nach der Schwangerschaft Heidi-Klum-like einen durchtrainierten Body präsentieren wollen.

Selbstliebe 1
Noch mehr Liebe

Was kann ich tun?

Stattdessen versuche ich vielmehr mich selbst an den Punkt zu bringen an dem ich mich wohl fühle, gedanklich und körperlich. Denn das macht man ja eigentlich, wenn man jemanden liebt oder sich geliebt fühlt, man fühlt sich wohl. Und eindeutig fühle ich mich weder wohl, wenn ich jeden Tag Fast Food esse, noch wenn ich Diät halte. Beides hat, meiner Meinung nach, mit Selbstliebe nichts zu tun. Denn die beginnt im Kopf und nicht an den schlanken oder dicken Hüften.

Natürlich ist es nicht ganz so einfach wie es jetzt klingt. Auch ich habe eine ganze Weile gebraucht, gewisse Dinge, gerade im Äußeren zu akzeptieren und nicht über alles Andere zu stellen. Aber es ist mir gelungen. Dabei haben mir die folgenden fünf Tipps für mehr Selbstliebe, die ich für mich entwickelt habe, sehr geholfen:

Fünf Schritte zu mehr Selbstliebe

  1. Respektiere dich so wie du bist
  2. Reduziere dich nicht nur auf einen (Körper-)Teil von dir
  3. Vergleiche dich nicht mit anderen, aber
  4. Hole dir Inspiration und probiere dich neu aus
  5. Lasse Selbstzweifel zu

Damit bin ich sehr gut gefahren. Insbesondere das neu Ausprobieren hat mir gezeigt, dass ich nicht von einem Schönheitsideal abhängig bin. Ich kann tragen, was mir gefällt, egal ob ich dick oder dünn bin. Das heißt nicht automatisch, dass ich deshalb schlechter aussehe als jemand anderes. Inspirationen holen ja, vergleichen nein. Das lohnt sich nicht, denn wir sind nicht gleich, wir sind alle anders. Und dass ich mal einen schlechten Tag habe und mich, besonders PMS-bedingt, so gar nicht wohl fühle, ist okay. Deshalb muss ich nicht in Selbstmitleid, Selbsthass oder was auch immer zerfließen. Das geht auch wieder vorbei, wenn ich es nur zulasse und nicht daran festhalte.

Selbstliebe 3
Ich möchte dir den Weg zeigen

Wie ich Selbstliebe meinem Kind vorleben möchte

Kinder lernen in erster Linie durch Nachahmen. Egal in welcher Lebenslage, es ist immer gut, wenn es nachahmenswert ist, was die Eltern tun.

Dabei halte ich (Selbst-)Liebe leben für das Wichtigste. Ein respektvoller, liebevoller Umgang miteinander, streiten, aber auch verzeihen können, jemanden zu lieben, auch wenn er mal Fehler macht. Und alles das auch auf sich selbst anzuwenden. Ich kann nicht respektlos (in welcher Form auch immer) mit mir umgehen und erwarten, dass Andere es nicht auch tun. Ich kann nicht sauer auf mich sein und erwarten, dass Andere es nicht auch sind. Ich kann keine Fehler machen und mir sie ewig vorwerfen und erwarten, dass Andere das nicht auch machen.  

Was ich aber kann ist, an mir zu arbeiten, Gefühle für einen bestimmten Zeitrahmen zulassen und aus all dem lernen Selbstliebe zu entwickeln und (vor) zu leben, mit allen Facetten von Liebeskummer bis Schweben auf Wolke 7.

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