Und wann kommt das zweite Kind?

Während wir hier gerade unser Familienleben zu Dritt so richtig eingrooven, trudeln aus dem Umfeld schon seit Monaten immer wieder News über erneute Schwangerschaften ein. Das zweite Kind ist unterwegs und in den meisten Fällen inzwischen sogar schon da. Einige Freundinnen habe ich während der Zeit mit Babybauch bereits begleitet und auch in der virtuellen Welt hab ich an vielen Schwangerschaften teilhaben können.

das zweite Kind

Die jüngste Nachricht über eine erneute Schwangerschaft überbrachte mir vergangene Woche eine meiner längsten und besten Freundinnen. Wir waren damals zeitgleich schwanger und jetzt erwartet sie im nächsten Jahr wieder Nachwuchs.

Ja, es ist die Zeit der zweiten Kinder. Und dann sind die ersten nicht etwa schon „aus dem Gröbsten raus“. Nein, sie stecken noch mittendrin. Sie sind so alt wie mein Sohn. Wird es da für uns nicht auch langsam mal Zeit nachzulegen?

Wann kommt denn das zweite Kind?

Schon bei der ersten Schwangerschaft wurde ich von der Nachricht überrascht, denn sie war nicht geplant. Dennoch war die Freude groß und rückblickend bin ich mir sicher, dass das mein Leben vielleicht gerade deshalb so viel schöner gemacht hat. Wenn ich darüber nachdenke, wie es sonst hätte verlaufen können, weiß ich nicht, ob das unbedingt die bessere Variante gewesen wäre.

Also: Darf ich nicht, zumindest für den Moment, mit dem was ich habe zufrieden sein? Warum fragen immer alle, wann denn das zweite Kind kommt und das teilweise schon als das Erste gerade erst frisch „geschlüpft“ war.

Das zweite Kind
Er macht mein Glück doch schon perfekt. Muss denn da noch mehr kommen?

Müssen es denn immer zwei sein?

Viele Eltern aus meinem Freundeskreis haben ihr zweites Kind, wie bereits erwähnt, schon längst bekommen. Jedes Mal hab ich mich über die Nachricht und die Geburt sehr gefreut, aber jedes Mal hat mich das auch zum Nachdenken angeregt.

  • Warum bekommen alle ihr zweites Kind, nur wir nicht?
  • Warum erzeugt es so einen gewissen Druck nachlegen zu müssen?
  • Reicht es nicht nur ein Kind zu haben?
  • Wäre es egoistisch kein weiteres Kind zu wollen?
  • Müsste unser Sohn irgendwann einmal unter dieser möglichen Entscheidung „leiden“?
  • Kann ich als Mutter oder Vater weniger mitreden, weil ich nur ein Kind habe?

Fragen über Fragen, die ich mir zum Teil gar nicht stellen will, sie kommen aber automatisch. Denn ich werde ja auch nicht jünger und je länger ich mit einem zweiten Kind warte, desto… Ja, desto was eigentlich?

Desto größer ist der Altersabstand

Dabei wären maximal zwei Jahre doch perfekt. Zumindest höre ich das ziemlich häufig. Früher habe ich auch gedacht, dass es schöner wäre keine viereinhalb Jahre Altersabstand zwischen mir und meiner Schwester zu haben. Heute denke ich nicht mehr so. Denn heute ist mir wesentlich besser bewusst, was es bedeuten würde, jetzt noch ein Kind zu bekommen. Neben all der Freude über ein Geschwisterchen für meinen Sohn, nämlich auch Stress. Schließlich fängt dann ja auch alles wieder von vorne an.

Dabei bin ich momentan sehr froh darüber wie sich hier alles entwickelt. Der Nachwuchs wird immer selbstständiger, artikuliert sich immer besser, schläft seit ein paar Monaten durch und geht bald sogar in den Kindergarten. Durch ihn bin ich in die Mutterrolle reingewachsen und werde es weiter tun.

Was am Anfang noch eine riesengroße und teils auch schwere Aufgabe war, geht jetzt schon ziemlich selbstsicher von der Hand. Wir sind im neuen Leben angekommen und das ist schön, sehr schön. Denn, und da spreche ich jetzt natürlich nur für mich, ich kann das Mutter Sein gerade jetzt im Moment so richtig genießen. Weil ich mittlerweile auch ein Stück meiner alten Freiheit zurück erlangt habe. Ja, das klingt ein bisschen egoistisch, aber das ist nun mal auch etwas, das ich brauche.

Das zweite Kind 2
Ready to run – Zeit zum Laufen ist mir wichtig

Ich bin, wer ich bin

Schon immer war ich eher der Mensch, der nicht ständig zig Leute um sich herum haben musste. Der jeden Tag verplant hatte. Der jedes Wochenende mit Freizeitaktivitäten füllen musste. Der alleine nichts mit sich anzufangen wusste. Ganz im Gegenteil.

Ich brauche Zeit für mich und bin auch sehr gerne mal alleine. Ich brauche Ruhe und Freiräume, vielleicht mehr als andere. Mit Kind ist das alles auf ein Minimum zusammen geschrumpft. Aber ich habe mir schon einiges, durch ein paar kleine Kniffe und Tricks, wieder eingeräumt.

Da das aber nicht immer ausreicht, freue ich mich auch auf die neue Freizeit, während der Nachwuchs im Kindergarten ist. Ich kann vieles wieder etwas besser planen. Haushalt, Hobbies, Aufgaben und Pflichten. Außerdem will ich wieder Arbeiten gehen. Das wäre mit einem zweiten Kind in nächster Zeit nicht möglich. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich noch kein zweites Kind will.

Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass ich dann die Zeit mit meinem Sohn nicht mehr in der Ausgiebigkeit wie jetzt genießen könnte. Dass ich ihm nicht mehr die Aufmerksamkeit schenken könnte, die er jetzt bekommt. Dass irgendwie eins von beiden Kindern „nebenher“ liefe.  Ich mag mich in vielen Dingen irren, aber nicht in allen, oder?

Woher dann aber dieser Gedanken-Stress?

Er wird nicht nur durch mein direktes Umfeld erzeugt, auch die sozialen Medien, in erster Linie Instagram, spielen da eine Rolle. Denn da läuft einem u.a. der Hashtag #zweiunterzwei (Anm.: er steht für zwei Kinder unter zwei Jahren) ständig über den Weg. Jedem sei gegönnt ihn zu verwenden, der das möchte. Ich will damit auch keine Mutter angreifen, was ich damit sagen möchte ist viel mehr, dass ich diese Labels einfach nicht mag. Denn sie zeigen einem auch immer was man selbst gerade nicht hat.

Manchmal fühle ich mich so als müsste ich mitziehen, als mache ich etwas falsch, weil ich es nicht tue. Als hätte ich nicht die Kraft oder den Mumm zwei kleine Kinder großzuziehen oder wäre gar überfordert. Vielleicht wäre das ja tatsächlich der Fall und da ist es doch schlauer erst mal auf sein Gefühl zu hören und kein weiteres Kind zu bekommen. #zweiunterzwei sollte wirklich niemanden unter Druck setzen und an sich zweifeln lassen. Ich mein, was kommt danach? #dreiunterdrei #vieruntervier?

Es ist doch bloß ein Hashtag

Und das sollte er auch bleiben. Klar gibt es in mir einen Teil, der sich noch ein zweites, drittes, vielleicht sogar viertes Kind wünscht, aber er ist im Moment kleiner als der Teil, der es nicht tut. Und das ist okay!

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