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Erziehungsstile: Ja, welchen nehm ich denn?

Erziehe ich so wie mich meine Eltern erzogen haben? Erziehe ich mein Kind wie meine Freundin ihres erzieht? Ist das nun autoritär oder antiautoritär? Ach und hey, was ist eigentlich mit der bedürfnisorientierten Erziehung? Erziehungsstile über Erziehungsstile. Aber welcher ist nun der Richtige? Puh, gar nicht so einfach! Und überhaupt, muss es denn für alles immer eine Bezeichnung, ein Label geben? Ich finde nicht. Deshalb hab ich mir mal ein paar Gedanken dazu gemacht, was Erziehung für mich ist.

Erziehungsstile

Tue ich das Richtige?

Erziehung ist, auch wenn es nicht schön klingt, Arbeit. Ein Kind zu erziehen läuft nicht wie von selbst, es geht nicht nebenher, wir können dabei nicht tun und lassen was wir wollen. Nein, Erziehung verlangt uns Eltern ganz schön was ab. In erster Linie Arbeit an uns selbst, denn wir müssen uns fragen, was wir für richtig halten, was wir vertreten und durchziehen können. Wir müssen uns mit dem Partner abstimmen, an einem Strang ziehen. Und am besten nicht heute so und morgen so.

Vieles, was wir machen, machen wir schon intuitiv richtig, davon bin ich fest überzeugt. Auch ohne irgendwelche schlauen Erziehungsratgeber gelesen zu haben. Einfach aus dem Grund heraus, weil wir vernunfthandelnde Menschen mit Gefühlen sind. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich einfach nicht weiß, ob ich das Richtige tue, weil ich die Situation nicht kenne. Gerade da hab ich natürlich Angst „etwas falsch zu machen“. Um das zu vermeiden, hilft es mich zu informieren wie ich mich in solchen Situationen am besten verhalte. Ob das nun durch Gespräche mit anderen Müttern oder Vorschläge aus Erziehungsratgebern sind ist unterschiedlich.

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Hand in Hand geht’s am besten

Ich bin keine perfekte Mutter?!

Gerade in den sozialen Netzwerken lese ich immer wieder von Müttern, die in bestimmten Situationen nicht so reagiert haben wie sie es sich für sich und ihre Kinder gewünscht haben. Ich kenne diese Situationen, die, in denen man lauter wird als man eigentlich jemals sein wollte, in denen man das Kind wütend irgendwo wegzieht, weil es zum hundertsten Mal das tut, was es nicht soll. Ich kenne das Gefühl des völligen genervt Seins. Und ich kenne die Gedanken, Vorwürfe und Selbstzweifel, die einen danach befallen.

Warum konnte ich in dem Moment nicht gelassener bleiben, besonnener reagieren, über den Dingen stehen? Bin ich überhaupt eine gute Mutter? Nein, Stop! Diese Frage stell ich mir nicht (mehr), denn ich weiß, dass ich eine gute Mutter bin. Und EIN unbesonnenes Verhalten macht aus mir noch keine schlechte Mutter. Vielmehr lehrt es mich, mein Verhalten zu reflektieren und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die Situation als Mutter (und Vater) ist neu. Da kann ich nicht von mir selbst verlangen sofort alles richtig zu machen. Es ist ein Lernprozess. Quasi learning bei doing. Je mehr ich mir das immer wieder bewusst mache und je mehr ich verinnerliche nicht perfekt sein zu müssen, perfekt sein zu können, desto besser kann ich mit den eigenen Schwächen und Unsicherheiten umgehen.

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Auch „Peppa Wutz“ gucken macht aus mir keine schlechte Mutter

Bessere oder schlechtere Erziehungsstile

Erziehung braucht Geduld, Geduld mit dem Kind und Geduld mit sich selbst. Aber auch Konsequenz. Ja, ich versuche meinen Sohn unter Berücksichtigung seiner Bedürfnisse zu erziehen, aber nicht im Weichspülgang. Denn mein Kind im Weichspülgang zu erziehen, halte ich auf lange Sicht gesehen nicht für das beste. Dabei geht es nicht darum zu zeigen wer der „Herr im Haus ist“ oder eine Grenze nach der anderen zu setzen. Es geht darum, dass Kinder irgendwann im Leben auch mal mit Enttäuschungen, mit Verneinungen, mit Dingen fertig werden müssen auf die wir sie als Eltern vorbereiten sollten. Wenn nicht sogar müssen.*

Denn ich kann das noch in einem behüteten, geschützten Rahmen tun ohne böse Absichten dahinter. Später in der Schule, im Berufsleben oder wo auch immer, wird kein anderer Mensch darauf Rücksicht nehmen, ob mein Sohn immer seinen Willen bekommen hat oder nicht. Kinder sollten mit negativen Gefühlen umgehen können und wir Eltern haben die Möglichkeit ihnen das in einem liebevollen Umfeld beizubringen.

„Nein!“ sagen (und auch meinen!) oder mal keine Lust haben mitzuspielen ist in einem gewissen Rahmen für mich vollkommen okay. Denn wie sonst soll sich dieser kleine, heranwachsende Mensch irgendwann mal in der Welt behaupten können, wenn er merkt, dass ihm nicht jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird? Wie soll er lernen sich selbst zu beschäftigen oder auch mal mit Langeweile (die übrigens sehr wichtig für die Entwicklung ist) umzugehen?  Wie soll er wissen, dass er auch auf die Bedürfnisse anderer Menschen Rücksicht nehmen muss? Irgendjemand sollte ihm das zeigen und, wenn ich mir aussuchen kann, wer das sein soll, dann bin das ich oder mein Mann.

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Putzen? Macht er freiwillig, das hat mit Erziehung nichts zu tun.

Erziehung beginnt da wo die Bequemlichkeit aufhört

Erziehung ist etwas, wo ich mich selber hinterfragen muss. Wo ich mir die Frage stellen muss, ob das alles so gut und richtig ist, was ich mache. Mache ich gewisse Dinge vielleicht auch einfach nur aus einer Bequemlichkeit heraus oder weil ich sie so kenne? Denn der einfachste Weg ist nicht immer der beste. Ja, Erziehung ist Arbeit, aber schöne Arbeit. Denn es geht um etwas Schönes, um die Kinder.

Um sie zu liebevollen, verantwortungsvollen und rücksichtsvollen Erwachsenen heranreifen zu lassen, haben wir Eltern unsere eigenen Erziehungsstile. Da gibt es kein richtig oder falsch. Ausgenommen natürlich da, wo es um die Entwicklung physischer und psychischer Gewalt geht. Und ich sage bewusst Entwicklung, denn wo eine von beiden anzutreffen ist, ist es eigentlich schon zu spät. Zum Glück lassen es die wenigsten so weit kommen. Das zeigt doch eigentlich auch, dass das, was wir machen gar nicht so verkehrt sein kann, egal wie wir es benennen. Oder?

 

*Im Kleinkindalter von gerade mal 22 Monaten mag das alles noch verfrüht und in der Form gar nicht umsetzbar sein, aber ab einem gewissen Alter, wenn mein Sohn Dinge besser versteht, halte ich das für einen vernünftigen Weg.

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