Warum mich die Mutterrolle manchmal nerven darf

Weil sie phasenweise unglaublich anstrengend sein kann, ganz einfach. Das hab ich in den vergangenen Tagen öfter gemerkt, wenn es darum geht Job, Privatleben, Haushalt und das liebevolle Mama Sein wie selbstverständlich unter einen Hut zu bekommen. Normalerweise funktioniert das ganz gut, aber irgendwann kommt der Punkt, da geht es einfach nicht mehr. Diesen Punkt hab ich inzwischen glücklicherweise wieder überwunden. Aber er wird immer wieder kommen. Auch wenn mir diese „Es ist alles nur eine Phase“-Phrase mittlerweile zu den Ohren raus kommt, sie trifft einfach immer wieder zu. Egal, ob beim Kind, bei der Mutterrolle oder in anderen Lebensbereichen.

Grenzen und Funktionieren

Ja, dieses Mutter Sein bringt mich öfter als mir lieb ist, öfter als ich es bisher gewohnt war, an meine Grenzen. Diese Grenzen sind in diesem Moment einfach nur ätzend. Denn es gibt Tage, an denen habe ich das Gefühl einfach nur noch zu funktionieren, die Mutterrolle vereinnahmt mich. Das beginnt schon mit dem Aufstehen, insbesondere dann, wenn mein Kind schon vor mir wach ist. Dann habe ich präsent zu sein und meine Befindlichkeiten müssen teilweise erst mal zurückstecken.

Genauso wenn ich krank bin, dann kann ich mir nicht frei nehmen und die Mutterrolle Mutterrolle sein lassen. Mich schön wie früher mit Wärmflasche und Tee ins Bett kuscheln und die Krankheit aussitzen ausliegen. Nein, ich werde trotzdem gefordert. Das war halt auch mal anders.

Ob ich mich darüber beschweren will? Auf gar keinen Fall, schließlich habe ich mir diese Rolle ausgesucht. Ob ich es trotzdem nervig finde? Auf jeden Fall! Und das ist auch mein gutes Recht.

Mutterrolle 1
Ich kann schon ganz viel allein… 

Ich, überfordert?

Die Mutter, die sich noch nie überfordert gefühlt hat, möge den ersten Stein werfen… oder so ähnlich. Jede Mutter ist irgendwann mal überfordert, aber nicht jede Mutter gibt es zu. Ich befinde mich glücklicherweise in einem Umfeld, in dem auch mal darüber geredet wird, wenn alles Mist ist. Das tut nicht nur der betroffenen Mutter gut, es mal rauszulassen, sondern auch der Mutter, die zuhört und sich an eine Situation erinnert, wo es bei ihr ähnlich war.

Wir Mütter haben nun mal auch nicht nur die eine Aufgabe eine gute Mutter zu sein. Wir sind nun mal auch die, die zuhause alles im Blick haben. Die wissen, dass der letzte saubere Body spätestens heute Abend in der Wäsche landen wird und bis dahin Nachschub benötigt wird. Wir wissen, dass sich Windeln, Klopapier oder der Wasservorrat dem Ende zuneigen. Wir wissen, dass morgen früh mindestens DER eine Becher oder Löffel oder was-auch-immer-gerade-beim-Kind-sehr-beliebt-ist gespült sein muss. Ja, wir sind auch die, die das meistens umsetzen und auch so tolle Freizeitbeschäftigungen haben wie Sonntagabend noch den Essensplan und die Einkaufsliste für die nächste Woche zusammenzustellen.

Oder hat schon mal jemand einen Mann gesehen, der sich am Sonntagabend hinsetzt, um Essensplan und Einkaufsliste zu schreiben? Also ich nicht. Sorry, dass ich das jetzt so sage, aber ihr Männer wisst auch, dass ihr dafür andere Aufgaben erfüllt, bei denen wir Frauen wahrscheinlich versagen würden.

Muss das denn sein?

Gut, jetzt mag jemand sagen, da zwingt dich ja keiner zu oder du wirst auch ohne Essensplan und Einkaufsliste nicht verhungern. Ja, mag sein. Aber ich habe eben auch ein Kind zu versorgen, dem ich einen möglichst ausgewogenen Speiseplan gestalten will. Außerdem will ich nicht nach jedem Supermarkt-Besuch Zuhause bemerken müssen, dass ich was vergessen hab.

Ja, natürlich könnte ich Aufgaben abgeben. Aber bei manchen ist es einfach nicht sinnvoll. Und ganz ehrlich, am Ende des Tages schaffen wir es doch alles, eben weil wir funktionieren.

Aber ist es wirklich nur in reines Funktionieren? Ist es nicht viel mehr ein Wachsen. So phasen- und schubweise wie unsere Kinder wachsen, so wachsen auch wir Mütter schubweise an unserer Rolle. Auch, wenn ich manchmal zugegebenermaßen ganz gerne etwas langsamer wachsen würde oder gar nicht.

Mutterrolle 2
… aber ganz oft brauche ich dich auch noch!

In die Mutterrolle wachsen

Von meinem Kind erwarte ich ja auch nicht, dass es von heute auf morgen alles kann. Ich lasse es wachsen und genau das sollte ich auch mir zugestehen. In meinem Job kann ich 100 Prozent geben, weil ich weiß was von mir erwartet wird, da gibt es Briefings und Abgabefristen. In meiner Mutterrolle setze ich die Maßstäbe selbst. Allerdings auch gerne mal zu hoch und dann geht es wirklich nur noch darum zu funktionieren.

Aber ist es das, was ich von der Mutterrolle erwarte? Dass ich sie (neben allen anderen Rollen) perfekt ausfülle? Ich will keinen Oskar für die beste Mutterrolle gewinnen. Denn ich spiele diese Rolle nicht, ich lebe sie. Alles, was ich empfinde, von unendlicher Freude bis zur größten Erschöpfung, sind echt. Und eben auch die Tatsache, dass diese Rolle manchmal einfach nur nervt.

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