Meine Erfahrung mit der Kupferspirale

Lange habe ich überlegt, ob ich über dieses Thema schreiben soll, denn es ist ein sehr intimes. Aber inzwischen fühlt es sich richtig an, deshalb habe ich mich dazu entschlossen es zu tun, um anderen Frauen vielleicht eine Hilfe bei ihrer Entscheidung zu sein. Kupferspirale: Ja oder nein? Es ist ja immer so, im Internet gibt es fast nur negative Erfahrungsberichte. Über alles, was gut läuft, muss man ja auch nicht ständig sprechen. Ich mache das sonst gerne. Aber diesmal hab auch ich keinen Grund dazu, deshalb wird das eine weitere negative Erfahrung mit der Kupferspirale. Leider! Wer das nicht lesen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle auszusteigen.

Meine Erfahrung mit der Kupferspirale von Anfang an

Nach der Geburt unseres inzwischen zwei Jahre alten Sohnes war dem Mann und mir erst mal klar, dass wir so bald kein zweites Kind wollen. Deshalb stand natürlich auch das Thema Verhütung wieder zur Debatte. Schon lange vor der Schwangerschaft habe ich aufgehört hormonell zu verhüten, weil ich meinen Körper dem einfach nicht mehr aussetzen wollte. Dass ich deshalb die Pille irgendwann abgesetzt hatte, habe ich auch zu keinem Zeitpunkt bereut.

Nun standen mein Freund und ich aber nach der Geburt unseres Sohnes erneut vor der Entscheidung: Wie verhüten wir jetzt? Mit meinem Frauenarzt hab ich verschiedene Möglichkeiten durchgesprochen und mich letzten Endes für die Kupferspirale entschieden. Rund drei Monate nach der Geburt meines Sohnes habe ich sie mir einsetzen lassen.

Die Risiken kannte ich, u.a. weil mein Arzt mich darüber informiert hatte und natürlich aus dem Internet. Aber ich war optimistisch. Schließlich war dies auch eine sehr praktische Form der Verhütung. Die Kupferspirale wird eingesetzt und bietet dann im Idealfall drei Jahre Verhütungsschutz. Das Einsetzen war kein Problem und die regelmäßige Kontrolle gab mir Sicherheit, Probleme hatte ich über ein Jahr lang auch keine bis…

…zu einem Tag im März dieses Jahres

Es war ein ganz normaler Tag, nur dass ich im Laufe dieses Tages leichte Unterleibsschmerzen bekam. Es fühlte sich an wie es sich schon mal vor „den Tagen“ anfühlt. Also kein Grund zur Beunruhigung. Den hatte ich erst als es darin gipfelte, dass ich abends auf der Couch vor Schmerzen gar nicht mehr wusste wie ich mich platzieren sollte. Ob liegen,  ob sitzen, egal, jede Position schmerzte furchtbar. So etwas hatte ich noch nie erlebt. (Die Geburt mal aussen vor gelassen, aber das war eine ganz andere Art von Schmerz.)

Da ich kein Typ bin, der gerne zu Schmerztabletten greift und mir das auch alles zu merkwürdig vorkam, war schnell klar, dass sich das besser ein Arzt ansehen sollte. Es war ca. 21 Uhr als mein Freund und ich uns auf den Weg in die ärztliche Notfallpraxis machten. Die Schwiegermutter in spe hat währenddessen auf den Nachwuchs aufgepasst, der von all dem noch gar nichts mitbekommen hatte.

In der ärztlichen Notfallpraxis konnte die Ärztin nicht genau diagnostizieren, was mir fehlte, vermutet hatte sie irgendetwas mit dem Darm. (Damit sollte sie nicht ganz Unrecht behalten!) Da sie mir nicht weiterhelfen konnte, wurde ich in die Krankenhaus-Ambulanz geschickt, die sich glücklicherweise nur ein paar Häuser weiter befand.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem diensthabenden Arzt ging es für mich direkt weiter in die Gynäkologie, denn er vermutete eher ein gynäkologisches Problem. Also saßen wir dort und warteten auf meine Untersuchung. Es schmerzte immer noch und ich wollte endlich wissen was los ist.

Nach der Untersuchung hatte der Arzt eine ziemlich klare Vermutung, die Kupferspirale muss eine Entzündung des Eierstocks und des Eileiters hervorgerufen haben. Um sicherzugehen, sollten noch die Entzündungswerte im Blut kontrolliert werden. Ich weiß nicht mehr wie lange wir auf das Ergebnis gewartet haben, aber es hat gefühlt ewig gedauert. Kurz vor Mitternacht wurde ich dann stationär im Krankenhaus aufgenommen, denn der Verdacht des Arztes hatte sich bestätigt.

Meine Erfahrung mit der Kupferspirale - KH
Im Krankenhaus

Ist tatsächlich eine OP notwendig?

Am nächsten Tag sollte die Spirale dann entfernt werden. Sollte! Bei der Untersuchung gelang es dem Arzt nicht und auch die Entzündungswerte im Blut sind überraschenderweise zurück gegangen. Er wollte das Ganze deshalb nochmal weiter beobachten. Trotzdem wurde ich bereits über eine mögliche Operation aufgeklärt, denn die wäre nötig geworden, wenn die Spirale tatsächlich noch rausgemusst hätte und sich nach wie vor nicht auf herkömmlichen Weg hätte entfernen lassen. Zur Debatte stand eine Bauchspiegelung.

Meine Hoffnung war natürlich groß, dass ich da drum herum käme und einfach alles so bleiben kann wie es ist, abgesehen von den Schmerzen natürlich. Außerdem habe ich zu der Zeit meinen Sohn noch gestillt und ich wusste, dass im Falle einer OP das wahrscheinlich aufgrund der Anästhesie und der Medikamente gegen die Schmerzen ein Ende haben würde. Bis dato habe ich nämlich nur sehr leichte und stillverträgliche Schmerzmittel bekommen, deren Wirkung zugegebenermaßen auch eher zweifelhaft war. Aber für meinen Sohn habe ich das hingenommen.

Er war übrigens ziemlich verwirrt darüber mich im Krankenhaus zu besuchen. Aber das hat sich zum Glück schon beim zweiten Besuch gelegt. Da wusste ich dann allerdings auch, dass eine OP unumgänglich war. Denn die Schmerzen waren wieder stärker geworden und auch die Blutwerte hatten erneut eine Entzündung bestätigt. An diesem Tag habe ich meinen Sohn das letzte Mal nach knapp 18 Monaten gestillt. Natürlich war es mir bewusst, aber irgendwie auch unvorstellbar, dass es das jetzt so abprubt gewesen sein soll. Ein schmerzhafter Gedanke, aber meine körperlichen Schmerzen waren zu dem Zeitpunkt stärker.

Was die OP anging so stand ich auf der Warteliste. Aber sie sollte definitiv am zweiten Tag im Krankenhaus stattfinden. Also wartete ich, ohne etwas essen zu dürfen, den ganzen Tag. Zwischen 20 und 21 Uhr war es dann soweit ich wurde abgeholt und in den OP gebracht.

Nach der OP

Woran ich mich dann wieder erinnern konnte, war, dass ich aufgewacht bin und mich eigentlich gar nicht so schlecht gefühlt habe, okay, etwas benommen und durstig und natürlich hingen hier und da ein paar Schläuche, aber bis auf diesen einen nicht ungewöhnliches. Dieser eine war ein zentraler Venenkatheder in meinem Hals. Aber warum? Weil sich nicht nur Eierstock und Eileiter durch die Spirale entzündet hatten, sondern diese Entzündung auch noch mit dem Darm verwachsen war. Dies wiederum hatte zur Folge, dass bei der OP beim Lösen ein Loch im Darm entstanden ist. Aufgrund dieses Loches musste ich von da an fünf Tage künstlich ernährt werden. Spätestens damit wäre das Stillen sowieso passé gewesen.

Wow! Damit hatte ich nicht gerechnet. Damit hatte keiner gerechnet. Es war nicht schön, aber ich behaupte mal, dass ich mich nach ein/zwei Tagen an die Umstände gewöhnt hatte. Nicht gewöhnt an diese Schläuche, die aus Mama kamen, hatte sich dagegen mein Sohn. Nicht nur, dass ich im Moment nicht bei ihm sein und ihn nicht mehr stillen konnte, nein, er hatte auch immer einen leicht – ich weiß nicht, ob verängstigt das richtige Wort ist, aber ich glaube das trifft es am besten – verängstigten Blick. Weshalb mein Freund und ich entschieden haben, dass er mich erst wieder besuchen soll, wenn der Katheder entfernt ist. Keine leichte Entscheidung, aber wohl die beste.

Meine Erfahrung mit der Kupferspirale - ZVK
Statt Katheder nur noch ein Pflaster

Alles gut gegangen?

Die Heilung des Darms verlief gut, was allerdings die Heilung des in Mitleidenschaft gezogenen Eileiters und Eierstocks anging, so konnten die Ärzte diesbezüglich noch keine Aussagen machen. Es war alles ziemlich ungewiss. Müssen Eierstock und Eileiter entfernt werden? Haben sie Schaden genommen? Werde ich (einseitig) unfruchtbar? Heute, knapp neun Monate nach der OP sieht alles gut aus. (Erst gestern hatte ich wieder einen Termin bei meinem Frauenarzt zur Kontrolle, der dies bestätigte.) Allerdings würde sich wohl erst im Falle einer erneuten Schwangerschaft herausstellen, ob es das auch ist. Was letzten Endes übrigens die Ursache für die Entzündung war, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Frei nach dem Motto: Das kann vorkommen.

Was das mit mir gemacht hat

Schlussendlich ist es nun mal so wie es ist. Ich kann nicht ändern, was passiert ist, ich kann auch meine Entscheidung  die Kupferspirale zur Verhütung zu nutzen nicht als falsch erachten. Denn es hätte ja auch gut gehen können. Ich möchte mit diesem Bericht über meine Erfahrung mit der Kupferspirale niemandem Angst machen. Aber er zeigt mir persönlich, dass man manches, was man so liest, vielleicht doch nicht außer Acht lassen sollte. Gerade wenn noch (weitere) Kinder geplant sind, ist für die Verhütung die Spirale vielleicht nicht ideal. Aber das ist nur meine Sicht.

Dass mir das Abstillen so plötzlich genommen wurde, war nicht leicht, aber mein Sohn hat es ganz toll mitgemacht, was mir die Sache zumindest nicht zusätzlich erschwert hat.

Worüber ich froh bin, ist, dass ich nicht gezögert habe und damals aufgrund der Schmerzen sofort einen Arzt aufgesucht habe. Denn das war die absolut richtige und notwendige Entscheidung.

Natürlich hab ich auch aufgrund meiner unfreiwilligen Fastenkur den fragwürdig positiven Nebeneffekt gehabt fünf Kilo abzunehmen. Aber das zeigt mir nur einmal mehr wie unwichtig es ist, ständig mit seinem Gewicht zu hardern. Denn nicht essen zu dürfen, wenn man es eigentlich will, ist nicht schön. Deshalb genieße ich auch, wann, wie und wo es nur geht. Seitdem umso mehr. In allen Bereichen.

Die OP war zwar größer als erwartet, aber letzten Endes ist wahrscheinlich doch alles recht glimpflich ausgegangen. Wie gesagt, die letzte Gewissheit hab ich noch nicht. Aber ich bin zuversichtlich und vor allen Dingen froh darüber, dass es bis jetzt für mich noch keinen schlimmeren Anlass gegeben hat ein Krankenhaus aufzusuchen.

Natürlich stehen wir seitdem erneut vor der Frage: Wie verhüten wir? Meine Erfahrung mit der Kupferspirale hat mir einmal mehr gezeigt, dass es immer noch am besten ist sich auf seinen Körper zu verlassen. Und meiner duldet definitiv keine Hormone und keine Fremdkörper mehr. Deshalb bin ich momenten auf der Suche nach einer alternativen und natürlichen Verhütungsmethode. Tipps und Empfehlungen kann ich gut gebrauchen. Und wenn ihr noch Fragen zur Spirale habt, dann könnt ihr sie mir gerne stellen.

Erfahrung mit der Kupferspirale - Fleyer
Ich weiß genug! Ihr?

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