Was bin ich als Mutter wert?

Ich liebe was ich tue und ich tue was ich liebe. Das beschreibt meine aktuelle Situation derzeit wohl am besten. Denn es gibt gerade einfach wenig, was ich ändern möchte. So zufrieden zu sein schätze ich sehr, denn es ist sicher nicht der Regelfall. Markiert wurde dieser Weg für mich mit meiner Mutterschaft. Dadurch hat sich vieles verändert. Klar, mein Sohn hat meine Welt komplett auf den Kopf gestellt. Aber nicht nur das, er hat mich auch mein bisheriges und zukünftiges Tun neu überdenken lassen. Insbesondere auch meine beruflichen Vorstellungen. Und gerade zu diesem Thema hatte ich erst neulich eine Unterhaltung mit einer Freundin, ebenfalls Mutter, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Es ging um die Frage: „Was bin ich als Mutter wert – für die Gesellschaft?“

Hätten wir die Gesellschaft außen vor gelassen, dann wäre die Antwort leicht gewesen, denn eine Mutter kümmert sich nicht nur um die Kinder, sondern auch noch um so vieles andere: Putzen, kochen, Wäsche waschen, einkaufen, basteln, Geburtstage vorbereiten, Geschenke besorgen, Spielplätze und Turnvereine besuchen und und und.

Aber wir haben uns die Frage auf die Gesellschaft bezogen gestellt, denn was wir leisten, wissen wir. Vielmehr haben wir uns gefragt was wir damit der Gesellschaft hinterlassen? Tragen wir überhaupt etwas zum Bruttosozialprodukt bei? Wie unterstützen wir das Allgemeinwohl?

Was bin ich als Mutter wert - Frühstück machen
Frühstück machen

Mehr als wir denken 

Dass sich meine Freundin auch diese Frage nach dem eigenen Wert stellt, hat mich auf eine gewisse Art und Weise erschreckt, denn diese Frage erweckt ja zunächst einmal den Eindruck für die Gesellschaft als Mutter nur bedingt einen Wert zu haben. Denn in unserer Gesellschaft wird Leistung hauptsächlich daran bemessen, wie wir dafür bezahlt werden. Vor diesem Hintergrund scheint mir die Fragen jedoch legitimer als mir lieb ist.

Aber ist das wirklich so? Hat etwas nur dann einen Wert, wenn wir dafür eine Gegenleistung in Form von Geld bekommen? Warum müssen wir uns etwas immer erst verdienen? Sind wir dumm, weil wir alles, was wir im Verborgenen tun, unentgeltlich leisten? Oder sind die Anderen dumm, weil sie es für selbstverständlich und nicht für entlohnenswert halten?

Was bin ich als Mutter wert?

Ich habe ein Kind, das ich liebe, dem ich all meine Fürsorge schenke, dem ich ein Umfeld biete, in dem es sich entfalten und lernen kann. Indem ich all diese Entscheidungen Tag für Tag treffe, etwas zu tun, damit es mir, meinem Kind und meiner Familie gut geht, tue ich, in meinen Augen, mehr für die Gesellschaft als jemals mit Geld zu bezahlen wäre.

Und überhaupt, was müsste ich dafür verdienen? An welchem Gehalt sollte ich mich orientieren? Berechnungen und Aufstellungen dazu sind im Internet genug zu finden. Und den Begriff Familienmanagerin werde ich hier nicht anbringen, um auf ein Managergehalt anzuspielen. Denn was sind Manager? Gut bezahlte Menschen in einem Arbeitsverhältnis. Ich aber arbeite nicht, ich lebe das Mutter Sein. Ich hab mir diesen Posten nicht erarbeiten müssen, ich habe dieses Sein geschenkt bekommen. Und wer verlangt Geld für etwas, dass er geschenkt bekommen hat?

Was bin ich als Mutter wert - Wäsche waschen
Wäsche waschen

Warum aber stelle ich mir dann diese Frage?

Weil ich zum Teil aus eigener Erfahrung, aber auch von anderen Müttern weiß, dass ihnen ihr Leben, gerade ihr berufliches Leben, nicht immer leicht gemacht wurde, seitdem ihr Kind da ist. Und der berufliche Wert hat nun mal auch eine große Bedeutung für viele. Eine Mutterschaft kann da jobtechnisch gesehen schon mal einiges durcheinander bringen. Durch Schwangerschaft und Fernbeziehung war bei mir zum Beispiel irgendwann ein Ortswechsel unvermeidlich, weshalb ich auch meinen alten Job an den Nagel hängen musste. Das hat mich beruflich natürlich vor eine vollkommen neue Situation gestellt. Derzeit versuche ich etwas für mich passendes aufzubauen. Ich habe die Möglichkeit dazu. Aber die hat nicht jeder.

Manche Frauen haben durch die Mutterschaft Probleme mit ihren Arbeitgebern bekommen, weil diese ihnen die Rückkehr in den Job erschwert haben, Andere dagegen verändern sich (gezwungenermaßen) beruflich, um ein für sich passenderes Arbeitsmodell zu finden. Manche können (in Teilzeit) weitermachen, wo sie aufgehört haben, Andere beginnen mit einer Ausbildung oder einem Studium. Möglichkeiten gibt es scheinbar viele.

Was bin ich als Mutter wert - Aufräumen
Aufräumen

Alles im Griff

Aber: im Berufsleben hätten viele Arbeitgeber gerne die eierlegende Wollmilchsau. Auch eine Mutter bleibt von dem Anspruch (oder sollte ich sagen der Utopie?) nicht verschont. Eine Mutter, die außerdem Zeit genug für ihre Kinder hat, nebenbei den Haushalt schmeißt, die Familie täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt, nebenbei noch „Sonstiges“ erledigt und dabei natürlich in ihrem Job nicht minder präsent und flexibel ist.

Aber wie nah ist das an der Realität und vor allen Dingen, wie machbar?

Früher ging’s doch auch

Ja, früher. Früher wohnten mehr Generationen unter einem Dach und konnten sich die Betreuung der Kinder und die Arbeit im Haushalt aufteilen. Früher reichte es, wenn nur der Mann arbeiten ging und zwar dauerhaft. Früher waren Frauen noch nicht so emanzipiert wie heute. Früher war das Arbeitsleben ein anderes. Früher wollten oder konnten Frauen nicht Karriere machen. Früher, früher, früher… Wahrscheinlich ließe diese Liste sich noch viel weiter fortführen. Aber früher ist nicht heute. Und heute ist anders als früher.

Was bin ich als Mutter wert - Laterne basteln
Laterne basteln

Modelle ändern sich

Lebensmodelle ändern sich. Die Gesellschaft ändert sich. Die Art des Mutter Seins und der Erziehung ändern sich. Sollte sich da nicht auch die Frage nach dem Wert ändern?

Gerade im vergangenen Wahlkampf erwähnten Politiker nicht selten, welch großes Potential in den Müttern stecke. Denn ja, wir Mütter haben einen unglaublichen Wert, für unsere Kinder, unsere Familien, unsere Gesellschaft.

Deshalb sollte ich mich auch nicht fragen: Was bin ich als Mutter wert? Denn die Antwort kenne ich. Vielmehr sollte sich die Gesellschaft diese Frage stellen. Eine Antwort in Form von Taten könnte der angemessene „Lohn“ sein.

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