Von der Rabenmutter und anderen Müttern

Momentan bin ich dabei den Geburtstag für den Nachwuchs zu planen und vorzubereiten: Rezepte raussuchen, Einkaufslisten schreiben, Dekoration planen, Kuchen für den Kindergarten backen, Kuchen für die Gäste zuhause backen, Geschenke einpacken… Ja, ich bin gerade in Übung, schließlich hab ich erst vor ein paar Tagen eine Überraschungsparty für den Mann geschmissen. Aber trotzdem ist so eine Geburtstagsvorbereitung echt nicht ohne.

Denn nebenbei wollen ja auch noch die alltäglichen Dinge erledigt werden: Der Haushalt geschmissen, der Blog geschrieben, die eigenen Bedürfnisse erfüllt etc. Und zwischen all dem gibt es dann Augenblicke, in denen ich mich frage, wie das die anderen Mütter eigentlich machen. Wie kann es sein, dass sie das scheinbar alles so gut unter einen Hut bekommen? Dann gehen sie auch noch arbeiten? Und das mit zwei oder sogar drei Kindern!

Stopp mal!

Wenn ich das Gedankenkarussell mal wieder abgespult habe, dann kommt die nächste Frage: „Warum frag ich mich das überhaupt?“ Bei mir läuft es doch! Über mehr muss ich mir doch keine Gedanken machen! Ich gehe momentan noch nicht arbeiten, also muss ich mir keine Gedanken um ungelegte Eier machen, wie die, Familie, Haushalt und Job unter einen Hut zu bekommen.

Ich habe „nur“ ein Kind. Warum muss ich mir den Kopf darüber zerbrechen, wie andere Mütter ihr Leben mit zwei oder mehr Kindern auf die Reihe kriegen?

Klar, gibt es auch mal stressige Situationen, aber so im Großen und Ganzen funzt doch alles. Warum will ich da was optimieren, was eigentlich schon ziemlich optimal läuft?

Die andere Mutter und die Rabenmutter

Manchmal hab ich das Gefühl wir haben da so ein romantisches Bild (verquer trifft es wohl besser), insbesondere hervorgerufen durch Social Media, das uns vermittelt, dass andere Mütter es besser machen als man selbst. Immer blendend aussehend, in einem aufgeräumten Haushalt, fröhlich lachend mit den Kindern spielend.

Jeder weiß, dass das oft nur die Darstellung nach außen ist und deshalb kommt es auch immer öfter vor, dass Mütter sich diesem Trend bewusst entgegenstellen. Auf Instagram zum Beispiel mit dem Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram. Was ich einerseits gut finde. Andererseits schlägt das für meinen Geschmack manchmal aber auch zu sehr ins Gegenteil um. Um es mal deutlich beim Namen zu nennen, nämlich genau dann, wenn der Begriff Rabenmutter ins Spiel kommt.

Der Wikipedia-Defintion nach besagt die Bezeichnung Rabenmutter folgendes: „Rabenmutter ist eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort (Dysphemismus) eine Mutter herabwürdigt, die ihre Kinder aus Sicht des Sprechers vernachlässigt.“

So, wer von euch würde jetzt ernsthaft (!) behaupten, das zu sein? Wahrscheinlich niemand. Oft wird aber mit diesem Begriff kokettiert, indem Mütter so zeigen wollen, dass sie nicht perfekt sind

Heute darf mein Kind mal öfter als sonst fernsehen. #Rabenmutter

Zum Frühstück gab’s heute Kuchen. #Rabenmutter

Heute geh ich mit dem Kind mal nicht raus. #Rabenmutter

Ich hab keine Lust das vollgekleckerte Kind umzuziehen. #Rabenmutter

Ich gehe wieder arbeiten und bleibe nicht zuhause bei meinem Kind bis es volljährig ist und auf eigenen Beinen stehen kann. #Rabenmutter

Echt jetzt?

Gerade bei Instagram wird der Hashtag #Rabenmutter besonders gerne verwendet. Bislang 5.690 mal. In meinen Ohren klingt das ganz oft nach „Fishing for compliments“. Als wolle die Mutter hören: „Nein, du bist keine schlechte Mutter, nur weil dein Kind heute das oder jenes darf/nicht darf.“ Mir ist es wirklich ein Rätsel, warum sich Mütter mit diesem Begriff titulieren. Ja, ich weiß schon, was dahinter stecken könnte. Möglicherweise einfach nur eine damit ausgedrückte Entschuldigung, dass man eben nicht perfekt ist. Oder, wie schon erwähnt, sie wollen mit dem Begriff Rabenmutter dem Perfektionismus bewusst entgegentreten.

Aber geht das denn nicht anders?

Ich bin eben nicht die andere Mutter, die gerade vermeintlich alles unter einen Hut bekommt. Aber ich bin deshalb auch nicht die Rabenmutter. Im Leben neigen wir dazu uns immer eher auf das zu fokussieren, was gerade nicht so gut läuft. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen lassen wir uns davon auch gerne mal ganz schön runterziehen.

Auch wenn das mit dem Begriff Rabenmutter vielleicht eher spaßig gemeint ist, glaub ich schon, dass dahinter auch eine klitzekleine selbst erfüllende Prophezeiung steckt. Auch dazu hat Wikipedia was zu sagen: „Eine selbst erfüllende Prophezeiung (engl. self-fulfilling prophecy) ist eine Vorhersage („Prophezeiung“), die über direkte oder indirekte Mechanismen ihre Erfüllung selbst bewirkt. Ein wesentlicher Mechanismus ist, dass derjenige oder diejenigen, die an die Vorhersage glauben, sich so verhalten, dass sie sich erfüllt (positive Rückkopplung zwischen Erwartung und Verhalten).“

Die selbst erfüllende Prophezeiung

Sie geht auch andersherum, nämlich indem ich mir positive Dinge sage und an sie glaube. Diese können dann genauso eintreten. Denn, ich bin keine Rabenmutter und ich bin auch nicht die andere Mutter. Ich bin einfach ich. Eine Mutter, die:

  • ihr Kind heute mal Fernsehen lässt, weil es ihr nicht gut geht und sie so wieder Kraft tanken kann, um morgen wieder etwas anderes mit ihrem Kind zu unternehmen.
  • ihrem Kind heute mal Kuchen zum Frühstück gibt, weil es auch mal Spaß macht aus gewohnten Mustern auszubrechen. Schließlich sind auch nicht jeden Tag Kuchenreste vom Vortag da.
  • die heute mal nicht mit dem Kind raus geht, weil sie einfach keine Lust hat und es auch im Haus genügend Möglichkeiten gibt, den Tag zu gestalten.
  • die genau weiß, dass es sich nicht lohnt, das Kind umzuziehen. Davon wird der Wäscheberg und der Wasserverbrauch schließlich auch nicht geringer.
  • die Arbeiten will, weil sie entweder das Geld braucht, den Ausgleich zum Mama-Sein, Freude an ihrer Arbeit hat oder ganz andere, für sie legitime, Gründe.

Alles eine Frage der Perspektive

Jeder hat seine Gründe, warum er in einer bestimmten Weise handelt, deshalb ist man noch lange keine Rabenmutter und die andere Mutter noch lange nicht besser. Jetzt stellt euch mal vor, dass euch tatsächlich jemand als Rabenmutter bezeichnen würde. Oder euch sagt, ja aber die und die macht das viel besser. Genau!

Außerdem seid ihr genauso die andere Mutter, wie sie es für euch ist. Ich denke, ihr wisst, was ich meine. Jeder sieht das in dem anderen, was er in dem anderen sehen will. Denn meistens kennen wir nicht die ganze Person in ihrer Gesamtheit. Wir sehen nur eine kurze Begebenheit, ein Bild, das in weit weniger als einer Sekunde entstanden ist, an einem Tag, der, wie meiner, aber auch 24 Stunden hat. Es ist nicht die Wirklichkeit! Es ist lediglich ein kurzes, nicht vollständiges Abbild von ihr. Alles, was in den restlichen 23 Stunden und 59 Sekunden bei der anderen Mutter vielleicht nicht so gut läuft, sehen wir nicht.

Aber, und da bin ich mir sicher, es ist da!

Rabenmutter
Weiser Tee!

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