Bedürfnisse einer Mutter – Was ich aus der Mutter-Kind-Kur gelernt habe

Schwangerschaftsdemenz, Stilldemenz – als Mutter Dinge zu vergessen kommt häufig genug vor. Manchmal vergisst man darüber hinaus vielleicht sogar ein wenig sich selbst. Dabei sollte Mutter sein doch nicht heißen auf alles, was einem vorher Spaß gemacht hat und wichtig war zu verzichten.

In den vergangenen 21 Monaten hab ich das aber tatsächlich viel zu oft, was mit einem so kleinen Kind aber auch einfach normal ist. Aber die Bedürfnisse einer Mutter, meine Bedürfnisse, sind wichtig, genauso wichtig wie die des Kindes und des Partners. Denn nur, wenn ich mir regelmäßig etwas Gutes tue, kann ich daraus die Kraft und Ausgeglichenheit für unseren Alltag schöpfen.

Diese Bedürfnisse in mein nicht mehr ganz so neues Leben als Mutter zu integrieren versuche ich schon länger. Seit der Mutter-Kind-Kur aber noch gezielter. Hilfreich ist mir dabei in regelmäßigen Abständen meinen Ist-Zustand zu hinterfragen und zu analysieren.

  • Bin ich zufrieden damit, wie es jetzt gerade läuft?
  • Habe ich erfüllt, was ich mir vorgenommen habe?
  • Was kann ich ändern, damit ich die beiden Fragen mit „ja“ beantworten kann?

Ein Tipp, den ich in der Kur bekommen habe, war, sich Ziele für das nächste halbe Jahr zu notieren. Hat man die Ziele nach einem halben Jahr umgesetzt, waren sie einem wichtig. Wenn nicht, dann waren sie es nicht. Bedingung ist, sich für das Erreichen dieser Ziele auch die nötige Zeit zu nehmen und sie nicht mit vermeintlich Wichtigerem zu verbringen. Es sollte auf jeden Fall in einem halben Jahr theoretisch machbar und umsetzbar sein, was auf der Liste steht, sonst macht das natürlich keinen Sinn.

Auf die eigenen Bedürfnisse achten

Die seelischen oder auch geistigen Bedürfnisse wahrnehmen und, wenn möglich, erfüllen. Das ist etwas, das sicherlich nicht nur Mütter (wieder) lernen müssen. Ich glaube, dass wir das in unserem Alltags-Trott aus Routine-Tätigkeiten einfach viel zu oft vergessen. Dabei erhalten gerade diese Dinge unsere Lebensfreude und geben uns Kraft. Natürlich können Beschäftigungen, die einem gut tun, mal vergessen werden und zu kurz kommen, aber das sollte keine Dauerzustand sein.

Außerdem versuche ich inzwischen noch mehr darauf zu achten wonach mir WIRKLICH ist. Zwar kann eine halbe Stunde Yoga nie schaden und entspannt mich sicherlich, manchmal ist mir aber einfach mehr nach Kaffee trinken und träumen. Das mach ich dann auch ohne schlechtes Gewissen.

Bedürfnisse einer Mutter
Lieber Kaffee statt Yoga

Manchmal sind es auch nur unscheinbare Kleinigkeiten, aber diese wieder bewusst zu tun, kann einem so viel geben.  Musik oder Podcasts hören zum Beispiel, etwas, das ich früher wirklich sehr bewusst und sehr gerne gemacht habe. Heute läuft das Radio höchstens mal nebenbei. Und meistens nervt mich das sogar, weil ich viel lieber mal die Möglichkeit haben will, zwischen geräuschemachendem Kinderspielzeug und dem Staubsauger die Stille zu genießen. Wenn ich aber Zeit habe etwas bewusst anzuhören als Mittel der Entspannung, dann kann ich das richtig genießen.

Vorsätze über Bord werfen

Apropos Genuss und eigene Bedürfnisse. Das Thema Ernährung hab ich in der Kur auch ein wenig hinterfragt. Ziele setzen ist was Gutes, sie umzusetzen noch besser. Merken, dass man sie so eigentlich gar nicht umsetzen will, heißt auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Weniger Kaffee, Fleisch und Süßigkeiten konsumieren, das hatte ich mir vorgenommen. Mit dem Fleisch hat es gut geklappt und das ist meinem Wohlbefinden auch sehr entgegen gekommen. Die Süßigkeiten hab ich auch auf ein, für mich gesundes Maß, reduziert. Aber beim Kaffee wollte ich dann irgendwie doch keine Abstriche machen, zumal drei Tassen am Tag für mein Empfinden vollkommen in Ordnung gehen.

Natürlich hätte ich das durchziehen können, aber zum Kaffee trinken gehört mehr als der reine Vorgang an sich. Es ist für mich ein kleines Ritual, eins das mich entspannt, eins das mir zeigt, dass ich gerade Pause habe. Und warum sollte ich auf etwas, das mir gut tut verzichten? Hab ich zum Glück verstanden und diesen Vorsatz über Bord geworfen.  Eine schlaue Erkenntnis!

Sind nur die Bedürfnisse einer Mutter wichtig?

Während nicht nur man selbst als Mutter neue Aufgaben bekommt und manche Dinge erst mal auf der Strecke bleiben, kann das auch mit der Partnerschaft passieren. Aber so weit muss es ja nicht kommen.

Natürlich ist es nicht mehr so wie früher: spontan ins Kino gehen, zu Zweit essen gehen oder einfach mal den Tag auf dem Sofa verbringen ist kaum noch möglich. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich an einer Hand abzählen wie oft mein Freund und ich in den vergangenen 21 Monaten etwas nur zu Zweit unternommen haben.

Aber auch das ist Teil des Prozesses, der zum Eltern sein dazu gehört. Trotzdem darf man hin und wieder ja mal etwas daran ändern. Denn irgendwie ist es doch schön mal wieder was zu unternehmen, was wir früher gerne gemacht haben. Einmal im Monat oder alle zwei Monate reicht ja schon. Schließlich unternehmen wir ja auch sehr gerne etwas als Familie. Nur manche Dinge, wie Theaterbesuche oder ähnliches eignen sich eben noch nicht dafür. Aber warum drauf verzichten? Besonders wenn Oma und Opa so mal wieder Zeit mit dem Enkel verbringen können.

Mutter-Kind-Kur für alle

In drei Wochen Mutter-Kind-Kur habe ich viel gelernt. Was mir, was uns gut tut. Ich bin der Meinung diese Möglichkeit sollte JEDER Mutter zustehen. Denn jede Mutter hat ihr Päckchen zu tragen. Die Gründe und Ursachen können vielfältig, das Päckchen schwerer oder leichter, sichtbarer oder unsichtbarer sein. Der Umgang damit übrigens auch. Heißt: Keiner weiß wie es wirklich im anderen aussieht, was die Gründe für sein Wesen und sein Verhalten sind.

Aber mit diesem Päckchen richtig umzugehen, es vielleicht sogar loszuwerden ist nicht nur für die Mütter, sondern auch für die Kinder und Partner ein Gewinn. Deshalb plädiere ich für eine Mutter-Kind-Kur für alle! Zwangsverordnung sozusagen. Denn ich glaube, dass sie viel Gutes bewirken kann. Und wem es schon gut geht, dem geht’s danach einfach noch besser.

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